Mittwoch, 2. Juli 2014

Short Stories #7 - Entschleunigung

Diesen Monat ist das Thema bei den "Short Stories" von Bine und Andrea :

"Entschleunigung"

Ihr habt es letzten Monat ja schon mitbekommen. "Entschleunigung" wird bei mir zur Zeit echt groß geschrieben. Nur, das Groß-Schreiben allein bringts noch nicht. Wenn ich frei habe gelingt mir das Langsam-Angehen-Lassen mehr oder weniger. Viel schwieriger ist es für mich, die Zeit auch im Alltag etwas langsamer laufen zu lassen. Mich nicht selbst zu hetzen und zu stressen und anzutreiben. Jahrelang, eigentlich mein Leben lang, habe ich es perfektioniert: immer musste alles schneller gehen. Zack, zack, zack. Während sich andere grad noch gemütlich im Bett umdrehten, hatte ich schon die Wohnung geputzt, eine Maschine Wäsche angestellt, das Frühstück runtergeschlungen und war fertig zum Joggen.

Dass das Verhalten nicht auf Dauer gut gehen kann, leuchtet fast jedem ein. Bei mir hat es länger gedauert. Leider fast zu lange. Erst die Depression vom letzten Jahr hat bei mir alle Alarmsirenen erklingen lassen. Nun lerne ich es zwangsweise. Aber nicht weil ich muss. Nein, weil ich es möchte!

Ich möchte mehr Zeit haben. Ich möchte mehr Kraft haben. Ich möchte mehr Liebe in all die Dinge stecken, die ich gern tue.

Doch wie lernt so jemand wie ich, plötzlich alles entschleunigt anzugehen?

Puuuhhhh.....

Wenn jemand ein Patentrezept hat: immer her damit!

Ich versuch mir immer wieder zu vergegenwärtigen, dass es niemanden gibt der mich stresst, außer ich selbst. Dass niemand so viel von mir erwartet, wie ich selbst. Und dass niemand so hohe Erwartungen an mich hat, wie ich selbst!

Mina ist ein guter Spiegel meiner inneren (Un-)Ruhe. Wenn ich unruhig bin und es nicht wahrhaben möchte, zeigt sie mir mit ihrem unruhigen Verhalten, dass bei mir gerade etwas falsch läuft. Anders rum natürlich auch! Wenn sie die Ruhe in Person (äh, in Hund) ist, dann bin ich das eh schon längst. Das Verhalten deines Hundes ist das beste Spiegelbild deines eigenen Verhaltens!

Und so nutze ich nun die freien Stunden nach Feierabend und verbringe möglichst viel Zeit mit Mina auf Phönix-West.


Dort ist es herrlich. Ruhig. Weitläufig. Der Wind bläst alle Gedanken weg. An diesen Wasserbecken (die übrigens mittlerweile recht ausgetrocknet sind) kann ich mit Mina stundenlang sitzen. Sie spielt um mich herum mit anderen vorbeigehenden Hunden und ich lese, zeichne, fotografiere...

Es fällt mir nicht immer leicht. Das Entschleunigen. Weil es mir (noch) so fremd ist.

Ich hoffe, dass es in ein paar Jahren ein Teil von mir geworden ist. So wie der (selbstgemachte) Stress sehr lange Zeit ein Teil von mir war...


Habt ihr nun Lust auf weitere Short Stories zu dem Thema "Entschleunigung" bekommen? Dann schaut mal hier vorbei: klick

Kommentare:

  1. Guter Text, sehr ehrlich und vor allem positiv.
    Klar, es gibt kein Patentrezept. Aber aus deinen Worten klingt heraus, dass du auf dem für dich richtigen Weg bist. Gut so.
    Liebe Grüße
    Christiane

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  2. Eben! Wir machen uns das alles selber! Bist auf einem guten Weg Frauke! Weiter so! Liebe Grüsse, Nina

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  3. Was den "Schnitt" zum Umdenken anbelangt bin ich dir ein paar Jahre voraus... trotzdem ist es immer noch mal wieder fremd... aber mit jedem Mal wird es leichter, wird es mehr "Normalität" - auch wenn es sich immer wieder fremd anfühlt... es ist ein Auf und Ab - aber durch das "sich bewusst machen" sind wir schon einen großen Schritt weiter... und schaffen das! Ich glaube daran...

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Ich freu mich über jedes liebe Wort von euch :-)