Freitag, 4. Juli 2014

Warum rennt uns die Zeit meistens davon?

Au mann! Es ist Juli! 2014 ist schon wieder 7 Monate alt...

Wo ist nur die Zeit hin?

Ist die Zeit weggelaufen? Auf und davon? Wo ist sie hin?
Ihr habt euch die Frage bestimmt auch schon häufig gestellt. Und um so älter wir werden, um so häufiger stellen wir uns diese Frage.

Ich hab dazu mal ein bissel recherchiert. (Internet sei dank.) Schauen wir uns unser Zeitempfinden mal näher an!

Erstmal müssen wir das subjektive und das objektive Zeitempfinden unterscheiden. Während für mich die letzte Woche recht schnell vorbei ging, war die Woche für alle Sommerferien-ersehnenden-Schulkinder unendlich lang. Und doch war eine Woche ganz genau eine Woche lang.

Ob die Zeit für mich schnell vergeht oder nicht, hängt auch davon ab, ob viel zu tun ist oder nicht. Wenn ich 30 Minuten beim Arzt warten muss, dann ist das eine seeeeehr laaaaaange Zeit, wenn ich nur da sitze und meine Zeit absitze. Wenn ich aber mein Strickzeug dabei habe und mich damit beschäftige, dann dauert die Zeit gar nicht mehr so lange. Und wenn ich eine Stunde auf dem Zahnarztstuhl zur Kariesbehandlung sitze, dann ist das mehr als eine Ewigkeit... Wenn ich mich aber eine Stunde lang mit Freundinnen ins Café setze und quatsche, schwups, ist die Stunde rum.

Wenn mir mein Urlaub also immer viiiiiiiel zu kurz vorkommt, liegt das einfach daran, dass ich die ganze Zeit so tolle Sachen gemacht habe :-) Solange mein Köpflein mit vielen Dingen beschäftigt ist, vergeht die Zeit (leider oder manchmal auch zum Glück) schneller, als wenn Langeweile herrscht.

Rückblickend kann sich unsere Zeitwahrnehmung übrigens noch ändern. Nehmen wir noch mal das Beispiel mit dem Im-Wartezimmer-Warten. Wenn ich jetzt zurück denke: klar, ich habe schon häufig und auch schon recht lange bei den verschiedensten Ärzten gewartet. Aber so zurückblickend waren das sehr kurze Zeitabschnitte. Weil sie unwichtig für mich sind. Sie spielen in meinem jetzigen Denken keine Rolle. Wenn ich aber zum Beispiel an das Zelten-Am-Rhein im Juni (klick) zurück denke, kommt mir das unglaublich lange vor. Obwohl es nur zwei Nächte waren und sie damals viel zu schnell rum waren. Es war aber eine sehr tolle und schöne Zeit mit meinen Liebsten. An einem schönen Ort, verbunden mit vielen schönen Erinnerungen.

Und trotzdem, als Kind war das Leben langsamer. Warum?

Einige Forscher vermuten, dass es daran liegt, dass man eine bestimmte Zeitspanne in Relation zu seinem bisherigen Leben setzt. Sprich: für einen 3-Jährigen ist ein Jahr 1/3 seines Lebens. Während es für mich schon nur noch 1/31 meines Lebens ist.

Andere Forscher gehen von dem Ansatz aus, dass sich die Zeitwahrnehmung parallel zu unseren vorhandenen/erworbenen Erinnerungen verhält. Gerade bei älteren Menschen, die hin und wieder und häufiger etwas vergessen vergeht die Zeit plötzlich wieder langsamer.

In einem sind sie sich aber scheinbar viele einig:

Um so mehr Neues wir entdecken, um so mehr ist unser Gehirn mit der Verarbeitung beschäftigt. Und um so langsamer vergeht für uns die Zeit. Alle wichtigen ersten Male bleiben im Gedächtnis haften, wie z. B. unser 1. Kuss. Wenn wir in unserem Leben aber immer nach der gleichen Routine leben, bewegen wir uns in bekannten Mustern. Wir müssen nichts neues mehr entdecken, unser Gehirn schaltet also ab und wir funktionieren im Automatikmodus.

Ich versuche deswegen seit einiger Zeit meinen morgendlichen Tagesstart zu variieren. Früher war er sehr starr und immer (wirklich immer) gleich. Nun variiere ich die Reihenfolgen von Frühstück, Hunderunde, Meerschweinefüttern, Bettmachen, Duschen... Damit durchbreche ich meine Routine und erledige die Dinge bewusster und mit mehr Aufmerksamtkeit. So verlängere ich mir die Zeitspanne zwischen Weckerklingeln und Arbeitsbeginn. Klar, dass klappt nicht jeden Morgen. Aber Übung macht die Meisterin und ich bleibe dran!

Viele Routinen in meinem Alltag sind bei mir sehr eingefahren, sodass ich sie kaum noch bemerke. Doch ich versuche sie mir bewusst zu machen. Sie zu erkennen und dann die Muster zu durchbrechen. Das ist anstrengend, weil ich bewusster an meinen Alltag ran gehe. Aber es ist auch schön, weil ich sehe, dass ich meine gefühlte Zeit durch Kleinigkeiten verlängern kann!


Ich hab mal ein paar Links zusammen gestellt, wo ihr interessante Artikel zum Thema "Zeitwahrnehmung" nachlesen könnt:



Wie seht ihr das mit der Zeit? Wie nehmt ihr Zeit wann wahr? Was macht ihr, um die Zeit anzuhalten oder sie zu verlängern?


Kommentare:

  1. Das ist ein tolles Thema, ich habe das mal im Studium behandelt im Rahmen von "Biographieforschung". Mir ist es deswegen wichtig, möglichst viele schöne, neue, spannende Dinge in meinen Alltag einzubauen, um die Zeit etwas "aufzuhalten" ;)!

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  2. Schön geschrieben, das mit den Kindern finde ich besonders interessant. Witzig ist, dass ich mal von einer Mutter (als ich ihr sagte, dass die Zeit mit meinem Kind nach der Geburt nur so rast) gesagt bekommen habe, dass es so ab der Kindergartenzeit gefühlt langsamer geht. Und das kann ich im nachhinein auch so für mich bestätigen. Verrückt eigentlich, dass es für die Kinder in der Zeit genau umgekehrt ist oder?

    Liebe Grüße!

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    1. Das klingt echt verrückt. Aber klar, du hast einen anderen Erfahrungsschatz als deine Kinder. Dementsprechend nehmen sie "ihre" Zeit ganz anders wahr, als du das mit "deiner" Zeit tust. Während du wahrscheinlich noch irgendwelche Alltagspflichten im Hinterkopf hast, denken die Kleinen nur ans Spielen :-)

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  3. Danke für die Infos und die vielen Denkanstöße, das muss ich wirklich mal ausprobieren mit dem Durchbrechen der Routine!
    LG Martina

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    1. Ich wünsche dir viel Erfolg dabei :-) Es wäre schön, wenn du mal berichten würdest, wie es dir gelingt!
      Liebe Grüße, Frauke

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  4. "Gerade bei älteren Menschen, die hin und wieder und häufiger etwas vergessen vergeht die Zeit plötzlich wieder langsamer."
    Den Wissenschaftlern möchte ich aber widersprechen. Meine Mama vergisst inzwischen schon einiges, aber wenn sie eines sicherlich andauernd bemängelt, dann ist es die Zeit, die viel zu schnell vergeht !
    Ich glaube, da muss man höchstens jemanden nehmen der schon total verwirrt ist. Und da kann man ja eigentlich auch nicht wirklich sagen wie derjenige dann wirklich die Zeit wahr nimmt.

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    1. Ich kann als Vergleich nur meine Oma anführen. Die vergisst auch immer mehr und für sie vergeht die Zeit langsamer. Vielleicht ist das auch individuell verschieden? Es ist interessant zu beobachten, wie unterschiedlich Zeit von Person zu Person wahrgenommen wird....

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  5. am BEWUSSTEN Leben arbeite ich auch gerade ganz intensiv.Ist nicht immer einfach aber wenn man es zumindest mal versucht ist es schon einen Schritt weiter gell? Liebe Grüsse Nina

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  6. Ich wollte dir diese Aussstellung in der Dasa ans Herz legen: http://www.dasa-dortmund.de/sonder-ausstellungen/tempo-tempo/. Da gibt es im Rahmenprogramm sehr interessante Vorträge.
    Viele Grüße
    Sandra

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    1. Danke schön! Dafür bin ich eh schon verabredet ;-)
      Liebe Grüße,
      Frauke

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Ich freu mich über jedes liebe Wort von euch :-)