Freitag, 15. August 2014

Kein Mensch ist illegal --- eine Floßdemo durch Deutschland macht auch Station in eurer Nähe!

Kennt ihr Flüchtlinge? Also Menschen, die aus einem Krisen- und/oder Kriegsgebiet geflohen sind? Sie leben in eurer Nähe, wahrscheinlich ohne dass ihr groß Berührungspunkte mit ihnen habt.

Flüchtlinge sind aus ihrem Land geflohen, haben ihre Angehörigen und Freunde zurückgelassen, mit der Hoffnung auf (Über-)Leben. Sie haben meist eine sehr harte Zeit durchlebt, sowohl in ihrer Heimat, als auch auf der Flucht. Wenn sie in Deutschland ankommen, hoffen sie auf etwas Ruhe und Sicherheit. Auf etwas Durchatmen nach all den Strapazen, die sie durchgemacht haben, während sie um ihr Leben gekämpft haben.

Doch wie sieht es in Deutschland aus? Wie leben die Flüchtlinge hier?



Genau auf diese Situation macht seit Juni eine Floß-Demo quer durch Deutschland aufmerksam. Hier sind Frauen aktiv, die selbst Flüchtlinge sind. Die genau das durchgemacht haben. Und die nun gegen ihre Lebenssituation kämpfen, um endlich einmal unter Menschen würdigen Bedingen leben zu können. Gemeinsam mit der Band "Strom und Wasser" treten sie in den Städten auf, wo das Floß haltmacht. Sie legen in insgesamt 40 Städten an und möchten das Augenmerk auf die Belange von Flüchtlingen lenken. Die in unserer Nähe leben, ohne dass wir groß etwas von ihren Problemen mitbekommen.

Durch meine Weltenbummler-Freundin Kathrin (ich hatte hier (klick) schon mal von ihr erzählt) bin ich auf die Aktion aufmerksam geworden. Sie ist bereits einige Zeit auf dem Floß unterwegs und unterstützt die Frauen auf ihrem Weg durch die Flüsse und Kanäle in Deutschland.

Gestern hat das Floß Station in Dortmund gemacht. Da war ja klar, dass ich da auch hin muss, um mir das ganze anzusehen. An der Pauluskirche waren Info-Stände aufgebaut und die Floß-Leute waren vor Ort um mit den Menschen in Kontakt zu treten.


Und um 20 Uhr gabs es ein mitreißendes Konzert von "Strom und Wasser" in der Kirche. (Die Spielorte sind von Stadt zu Stadt verschieden. Dass es in Dortmund eine Kirche war, war eher Zufall.)


Die Band hat sehr nachdenklich stimmende Texte zu einer eindrucksvollen Musik gespielt. Der Sänger erzählte zwischen den einzelnen Liedern von seinen Erfahrungen und warum er sich gerade in diesem Bereich engagiert. Aber auch die Flüchtlingsfrauen selbst kamen zu Wort.



Kennt ihr zum Beispiel Napoli? Vielen ist sie ein Begriff in Bezug auf die Räumung vom Oranienplatz in Berlin. Da war sie diejenige, die fünf Tage auf einem Baum saß und sich nicht räumen ließ. An den ersten 3 Tagen hatte sie weder Essen noch Trinken bekommen. Auf Toilette konnte sie die ganze Zeit nicht. Aber sie hat durchgehalten, um für die Rechte von Flüchtlingen zu kämpfen. Napoli war gestern auch in der Pauluskirche und hat von sich und ihren Erfahrungen und ihren Forderungen berichtet.

Neben Napoli kamen auch andere Frauen zu Wort. Jede hat eine eigene Geschichte, einen eigenen Hintergrund. Aber alle haben die selben Forderungen. "Behandelt uns menschlich!" "Schaut hin und schaut, wie wir leben (müssen)!" "Niemand flieht freiwillig aus seiner Heimat. Lasst uns hier unter Menschwürdigen Bedingungen leben."

Wie ich gestern erfahren und heute nachgelesen habe, gibt es im Tierschutz eine Mindestgröße für Hundezwinger von 6 m². Für Flüchtlinge beträgt die Mindestgröße des Wohnraumes, je nach Bundesland, ab 3,5 m² aufwärts. Ist das noch menschlich? Doch das ist nur einer von vielen Punkten, die vor und während des Konzerts geschildert werden.

Geht selbst hin und informiert euch. Das Floß kommt in der nächsten Zeit bestimmt noch in eurer Nähe vorbei!

Hier findet ihr nähere Infos zu dem Floß und den Konzertterminen:

Und hier findet ihr nähere Infos zu:
Wart ihr vielleicht schon auf einem der Konzerte? Was habt ihr für Erfahrungen gemacht? Seid ihr vielleicht selbst ein Flüchtling? Schreibt mir eure Sichtweisen in die Kommentare. Ich bin gespannt auf eure Sichtweisen!


Kommentare:

  1. Schöner Beitrag! Die Aktion ist mir neu! Das Thema ist ganz präsent in meinem Leben, denn ich arbeite an einer Schule, in der jedes Jahr viele Flüchtlingskinder aufgenommen werden. Viele von ihnen sind ganz auf sich alleine gestellt, haben abenteuerliche Fluchtwege hinter sich und Schreckliches erlebt. Wir versuchen an unserer Schule diesen Schülern eine Stimme zu geben. Diese vielen Einzelschicksale, die sich hinter dem Wort "Flüchtlingsstrom" verbergen werden so oft übersehen. Die Geschichte eines einzelnen aber reicht aus, um leise zu werden und nachdenklich. Wir leben hier im Überfluss und in Sicherheit. Da ist genug zum Teilen da!

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    1. Da hast du noch mal einen ganz anderen Blickwinkel durch deine Arbeit in der Schule. Gerade für Kinder stelle ich es mir schwierig vor, mit diesen teilweise sehr krassen Erlebnissen fertig zu werden bzw. sie überhaupt in Worte zu fassen, um sie verarbeiten zu können.

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  2. Wow! Toll, dass Du die Aktion vorgestellt hast. Ich kannte sie auch noch nicht. Ich schau mir direkt mal die Links in Ruhe an.

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Bevor meine Freundin mir davon erzählte, hatte ich davon auch nichts gehört. Deswegen fand ich es umso wichtiger, hier darüber zu erzählen. Es freut mich, dass ich dich neugierig auf das Thema machen konnte!

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Ich freu mich über jedes liebe Wort von euch :-)