Mittwoch, 1. Oktober 2014

Heute ist der 11. Europäische Depressionstag


Dieses Jahr steht der Europäische Depressionstag unter dem Motto: "Depression - die Rolle der Familie". Das finde ich sehr spannend und weiter unten verlinke ich euch einige Seiten zum Jahrestag. Generell möchte der jährliche Depressionstag auf die Krankheit an sich aufmerksam machen und zur Aufklärung bzw. Ent-Stigmatisierung beitragen.

In Deutschland sind etwa 4 Millionen Menschen von einer Depression betroffen. Ich bin eine davon.

Seit die Krankheit bei mir im Juli letzten Jahres diagnostiziert wurde, hat sich viel in meinem Leben geändert (hier (klick) hatte ich bereits einmal darüber geschrieben). Klar, die Krankheit kommt nicht von heute auf Morgen, sondern kündigt sich schleichend und langsam an. Doch wer hört schon gern auf unangenehme Vorzeichen des Körpers? So gut wie niemand. Im Sommer vor einem Jahr ging dann gar nix mehr bei mir. Was folgten waren 9 Monate Krankenschein, ein Antidepressivum, begleitende Therapie und eine 5-wöchige Reha. Seit dem Frühjahr arbeite ich nun wieder.

Wie ich hier (klick) berichtete, ging es mir echt gut. Ich konnte gut mit mir, meinem Körper, meiner Seele leben und fühlte mich wohl. Wie der ein oder andere in den letzten drei Wochen vielleicht schon gemerkt hat, war ein Tief gekommen. Ich habe bisher noch nicht offen darüber geschrieben, weil ich versucht habe, mir erstmal wieder positive Erlebnisse zu schaffen um die Kraft zu haben das Tief zu bekämpfen und nach vorne zu schauen. Das war nicht immer einfach und ich hatte echte Scheiß-Tage dabei. Aber das gehört zu einer Depression dazu, ob ich nun möchte oder nicht. Ich werde auch noch einige Zeit brauchen, um das Tief endgültig zu überwinden. Mein Wille ist da, ich möchte es schaffen. Und das ist eine wichtige Voraussetzung um sich selbst immer wieder aufzuraffen, sich ständig selbst zu reflektieren und zu hinterfragen. Das hört sich für viele Un-Betroffene wahrscheinlich etwas rätselhaft an.

Mir wurde das vor ein paar Tagen im Telefonat mit einer sehr lieben Freundin klar. Für viele Nicht-Betroffene ist eine Depression ein großes Fragezeichen. Viele Menschen haben ein ungefähres Bild, was eine Depression ist. Aber was die Krankheit konkret im Alltag und im Umgang mit einem selbst bzw. mit einem Betroffenen bedeutet, da stehen viele Menschen hilflos da. So auch meine Freundin. Zum Glück hatte sie den Mut, ihre offenen Fragen in Worte zu packen. Wir haben daraus eine Art Interview-per-Email gestartet. Sie ist in sich gegangen und hat dann ihre Fragezeichen im Kopf ausformuliert und mir per Email geschickt. Nun beantworte ich diese nach und nach. Das dauert mal länger, mal kürzer. Es ist sehr spannend für mich, mich auf diese Art mit meiner Krankheit auseinander zu setzen. Meine Freundin hat mir Fragen geschickt, auf die ich selbst gar nicht gekommen wäre, weil mein Verhalten/meine Emotionen für mich so naheliegend und selbstverständlich sind. Doch dank ihr und ihren Fragen kann ich meine Krankheit auf eine andere Art kennenlernen und hinterfragen.

Mir begegnet immer wieder diese Hilflosigkeit im Umgang mit mir, als Betroffene. Deswegen kann ich mir vorstellen, dass viele Menschen viele Fragen im Kopf haben, sich diese aber nicht trauen zu stellen. Sei es aus Schamgefühl oder vielleicht auch weil der Betroffene im eigenen Umkreis da nicht so offen mit umgeht, wie ich es hier über den Blog tue (im persönlichen Gespräch tu ich das übrigens auch). Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, eine Depressions-Motto-Reihe zu starten.

Für diese Reihe schnappe ich mir die Fragen, die meine Freundin mir gestellt hat und veröffentliche sie nach und nach hier auf dem Blog. Natürlich zusammen mit meinen Antworten, die mal kürzer und mal länger ausfallen können. Die einzelnen Beiträge werde ich in der kommenden Zeit, in unregelmäßigen Abständen veröffentlichen. Immer wenn mir danach ist und wenn ich gerade die Kraft und die Lust habe, mich öffentlich mit dem Thema zu beschäftigen.

Meine Frage an euch: habt ihr Fragen zum Thema "Depression", wo euch eine Antwort von mir als Betroffene interessieren würde? Ich bin gespannt auf eure offenen Fragezeichen! (Ich werde versuchen, jede Frage zu beantworten, soweit sie nicht zu tief in einen persönlichen Bereich von mir fällt.)



Hier findet ihr weitere Infos zum 11. Europäischen Depressionstag:

Kommentare:

  1. Liebe Frauke,

    ich bewundere Dich wirklich sehr dafür, dass Du so offen mit Deiner Depression umgehst und bin mir sicher, dass Du vielen Menschen damit "helfen" kannst. Den Betroffenen, da es immer gut ist, sich nicht alleine zu fühlen (das "erledigt" die Depression ja oftmals schon von ganz alleine) und auch denen, die nicht unter einer Depression leiden, da Deine Worte/Texte zum Verständnis für die Krankheit beitragen.

    Und Deine Idee zu der Reihe finde ich ganz wunderbar - und mutig. Ich freue mich sehr auf die Reihe, wann immer Dir auch nach einem Beitrag ist.

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Danke für deine lieben Worte, liebe Nicole!

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  2. Liebe Frauke auch ich möchte dir meine Bewunderung dir gegenüber mitteilen. Ich finde es bewundernswert, dass du so offen über deine Depression sprichst/schreibst. Auch wenn ich weiss, dass es für dich etwas gutes ist. Ich bin gespannt auf deine Reihe und vielleicht werden im laufe der Beiträge auch bei mir Fragen auftauchen.
    Ich wünsche dir weiterhin viele positive Kraft um deine trüber stimmung zu verjagen oder einfach auch nur zu ertragen.
    Fühl dich lieb gedrückt!
    Liebe Grüsse Alizeti

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    1. Danke für deine Umarmung, auch wenn sie quer durch das Internet erfolgt hilft sie!

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  3. Liebe Frauke,
    ich habe kein Fragezeichen, denn ich bin selbst betroffen (auch wenn bei mir die Depression ein Symptom einer anderen Diagnose ist), aber dafür habe ich ein dickes, fettes Ausrufezeichen ! Für Dich! Weil ich Dich großartig finde! Viel Kraft und Zuversicht und die schönsten Momente mit Deiner Mina und allen, die Dir gut tun, wünscht Dir von Herzen
    Deine Sonja

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    1. Danke schön für deine lieben Wünsche!
      Ich wünsch dir auch viel Kraft und Energie, wegen deiner anderen Diagnose und natürlich auch wegen der daraus resultierenden Depression!

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  4. Liebe Frauke,

    vielen lieben Dank für Deine Aufklärung und Deine Offenheit.

    Es ist immer schwer mit dieser Erkrankung umzugehen und besonders die "ältere" Generation hat mit diesem Thema ein riesen Problem. Meine Familie ist leider auch betroffen und wir hätten sicherlich schon früher etwas machen können, wenn dies nicht so ein "Tabu-Thema" wäre.

    Ich hoffe sehr, dass wir durch solche Tage und Menschen wie Dich mehr Akzeptanz für dieses Thema finden.

    DANKE!!!

    Einen lieben Gruß

    Mirja

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    1. Ja, Depression ist leider häufig (und besonders bei der "älteren" Generation) immer noch ein Tabu-Thema... Dabei kann niemand was für diese Krankheit und nur durch konsequentes Tot-Schweigen ist noch niemals jemandem geholfen worden...
      Ich wünsch dir und deiner Familie die Energie und die Offenheit, die ihr benötigt!

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  5. Ingrid, Bastelmaus ile2. Oktober 2014 um 08:41

    Liebe Frauke, als (ehem. oder "nur noch ein bisschen") Betroffene habe ich Deinen Bericht sehr interessiert gelesen und werde es auch weiterhin tun, wobei ich natürlich auf Fragen/Antwort schon sehr gespannt bin.
    Meine heutige Frage: Es gibt ja mehrere Arten von Depressionen, unter welcher leidest Du?
    Alles Liebe Deine Ingrid
    PS: Kannst, wenn Du nicht hier darüber reden möchtest auch eine Mail an mich schicken!

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    1. Liebe Ingrid! Danke für deine Frage. Auf der Suche nach der Antwort bin ich übrigens noch... Das konnte mir bisher noch niemand sagen. Wenn ich die Antwort gefunden habe, werde ich sie mitteilen :-)
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  6. Hallo Frauke,

    das ist eine ganz wunderbare Idee die Fragen Deiner Freundin und Deine Antworten auf Deinem Blog nach und nach zu veröffentlichen.
    Es ist wirklich so, dass man sich das als Nichtbetroffener oft nicht genau vorstellen kann, wie sich jemand mit Depression fühlt und welche Komplikationen im Alltag dadurch entstehen etc. wie schwierig es ist damit zu leben.
    Sicherlich ist das bei jedem Betroffenen unterschiedlich und individuell, trotzdem lese ich sehr gerne wie Du Dich fühlst und damit umgehst, ich interessiere mich sehr dafür und glaube man bekommt auch Denkanstöße für sich selbst und hört vielleicht auch mehr in sich hinein !

    Liebe Grüße
    ich wünsche Dir ein schönes langes und sonniges Wochenende
    Nane

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    1. Liebe Nane,
      ich möchte und ich kann auch nur meine eigene Sichtweise und mein eigenes Erleben wiedergeben. Jeder erlebt und sieht die Krankheit und die Welt und den Alltag anders. Aber wie du schon schreibst: ich möchte allen Interessierten einen kleinen Einblick in (meine) die Krankheit und Denkanstöße geben.
      Ich wünsch dir auch ein schönes Wochenende!
      Liebe Grüße,
      Frauke

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Ich freu mich über jedes liebe Wort von euch :-)