Mittwoch, 18. Februar 2015

Chronisch ist chronisch und da hilft nur Akzeptanz

Und genau das fällt mir grad echt schwer. Ich weiß, Depression ist eine chronische Erkrankung. Die kann für einige Jahre oder auch mein restliches Leben bei mir bleiben. Trotzdem. Der Wille zur Akzeptanz fehlt mir gerade. Grmpf!

Ich war auf einem so guten Weg. Mir ging es echt gut. Seit September hatte ich kein nennenswertes Tief mehr. Klar einen oder auch mehrere schlechte Tage hat jeder Mal und ich halt auch. Ob die mit der Depression zusammen hingen oder nicht, keine Ahnung. Und doch ging es gerade die letzten Wochen in großen Schritten vorwärts. Ich habe meinen Rythmus gefunden, kam gut mit mir klar und hab mich mit meinen Macken, meiner häufiger auftretenden Energielosigkeit, aber auch mit meinen Stärken akzeptiert.

Doch bei all den großen Schritten nach vorn, da muss gerade mal einer nach hinten kommen. Und der stört mich. Ich weiß, das sollte er nicht. Aber er tut es. Ich merke seit einigen Tagen die ersten Warnzeichen in Richtung eines Tiefes. Das ist auf der einen Seite richtig gut, weil ich endlich (!) die Warnzeichen wahr- und auch ernstnehme. Bisher habe ich die Hinweise meines Körpers immer übersehen und nicht wahrnehmen wollen. Und doch, grmpf! Ich habe wieder Herzrasen, innere Unruhe, Gedankenrasen, angespannte Muskeln am ganzen Körper und ich atme sehr oberflächlich, was natürlich zu einem engen Gefühl in der Brust führt. Die (Not-)Bremse habe ich gestern Morgen gezogen und alle Termine und Verabredungen für diese Woche abgesagt, damit ich genügend Zeit für mich und meinen Rythmus habe. Um zur Ruhe zu kommen und zu mir zu finden. Um Gefühle zu zu lassen, die ich vielleicht nicht wahrnehmen möchte. Um meine gerade vorherrschende Schwäche und meine momentan geringere Belastbarkeit zu akzeptieren.

Klar, es ist noch kein Tief. Aber ich weiß, wenn ich jetzt nicht acht gebe, bin ich in einem drin. Und das möchte ich nicht. Die ganzen Symptome waren seit Wochen weg und fühlen sich gerade zwar vertraut, aber auch irgendwie fremd und ungewohnt an. Sie waren lange weg und das war schön.

Nun heißt es für mich: abwarten, Tee trinken, in mich hinein hören. Stille suchen und genießen. Menschen meiden, weil äußere Reize mich gerade überfordern und mich von mir selbst ablenken.

Nachdem es heute Morgen so neblig war, dass man fast nix mehr sah, kam gegen Mittag die Sonne raus. Da habe ich mir nach Feierabend Mina geschnappt und wir sind nach Datteln an den Wesel-Datteln-Kanal gefahren. Ich hab mir eine Stelle rausgesucht, wo zwei Brücken so nah beieinander sind, dass wir einen guten Rundweg gehen konnten. Und natürlich hab ich meine Kamera dabei gehabt. Denn: auf Kleinigkeiten konzentrieren, Perspektiven wahrnehmen, den Moment einfangen und hinterher darüber bloggen. Das hilft! So auch heute.

Darum kocht euch, so wie ich gerade, eine Tasse Tee und schaut euch die kommenden frühlingshaften Wesel-Dattel-Kanal-Fotos an:

Frühling Wasser Gras Spiegelung Sonne Tropfen

Schiff Frachtschiff Antonela Wasser

Brücke Schild Radfahrer absteigen

Schleuse Rost Wasser Frachtschiff

Wasser Spiegelung

Wasser Spiegelung Bäume Frühling Ruhrgebiet

Mina Hund Hunderunde Brücke Wasser Entspannung Frühling

Schleuse

100 Schleuse

Schleuse Spiegelung Wasser Ruhrgebiet Frühling

Spiegelung Schleuse Wasser Frühling Hunderunde Spaziergang

Mina Hund Hunderunde Spaziergang Ruhrgebiet Wasser Sonne Frühling

Frachtschiff Wasser Brücke Frühling Sonne Spaziergang

Wasser hilft mir sehr, um mich freier zu fühlen. Die Luft in Wassernähe ist anders, reiner, offener. Die Fließbewegung, das Strömen, die Schiffe, die Spiegelungen. Die Kombination mit den Schleusen und dem Ruhrgebiet drumherum, das bedeutet für mich Heimat und Sicherheit. Und ein schönes Gefühl von Angekommensein und nach Vorne-Schauen.

(Die Umgebung hat mir im letzten Herbst auch schon einmal geholfen. Da waren Mina und ich am Dattelner Meer. Das ist ein Stück weiter den Kanal entlang.)

Kommentare:

  1. Was für tolle Fotos! Hier kam die Sonne leider nicht raus... Wünsche dir viel Kraft und Gelassenheit <3

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  2. Ach Mist, das ist ein beschissenes Gefühl. Alles, was man sich so mühevoll erarbeitet hat, geht ohne Kontrolle verloren - ich hoffe wirklich sehr, dass du viel Kraft und Entspannung findest und es bald überstanden ist.
    Alles Liebe
    Jessa

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    1. Hallo Jessa und herzlich willkommen hier!
      Lieben Dank für deine Worte!
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  3. .. und ich jammer über erkältung & co ... ich schliess mich lisa in allem an. wunderschöne bilder vom kanal - hach! und jeden menge kraft & gelassenheit für dich! :*

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    1. Und das ist auch gut so! Jeder sollte über das jammern, was ihn grad runterzieht, wenn er darüber jammern möchte. Schließlich gibts noch viele Menschen, die gerade nix zu Essen haben oder eine Krebserkrankung im Endstadium oder oder. Und dann dürfte es uns ja gar nicht schlecht gehen. Wäre auch blöd.
      Ganz lieben Dank für deine lieben Worte!!!
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  4. Liebe Frauke, ich bin über deinen Gasteintrag bei Steffi auf deinen Blog aufmerksam geworden und verfolge deine Texte seither immer mal wieder. Ich finde es unglaublich mutig, wie offen du mit dem Thema Depressionen umgehst. Verliere nie die Kraft weiterzumachen, dein Weg ist absolut richtig! :)

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    1. Hallo liebe Sandra und herzlich willkommen!
      Danke für deine Worte!
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  5. von mir auch ganz liebe Grüße - super, dass Du es erkennst wenn die "Handbremse" gezogen werden muss, das ist sehr positiv, so kannst Du doch rechtzeitig reagieren und Du weißt was Dir dann gut tut, das ist wichtig und ebenfalls sehr positiv.
    Ich muss mir selbst auch ab und zu mal ganz laut STOP zurufen, denn manchmal übernimmt bzw. nimmt man sich auch einfach zu viel vor und gerät dadurch in eine Art "Tretmühle" und merkt es manchmal gar nicht, dass man sich zu viel zumutet.......in unserer schnelllebigen Zeit ist das oft schwierig zu merken wann es zu viel wird, finde ich.
    Ich wünsche Dir alles Gute.......und die kommenden Jahreszeiten, heller, freundlicher, grüner - die werden uns allen sehr gut tun ;-)
    Liebe Grüße
    Nane

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    1. Hach, das beruhigt mich zu hören, dass es anderen Leuten auch so geht. Es fühlt sich (natürlich) so an, als wenn das nur bei mir so wäre und alle fröhlich ihr unbeschwertes Leben leben können. Was natürlich (!) Quatsch ist.
      Du hast recht, sobald es nun immer frühlingshafter wird, geht es uns allen wieder besser. Mehr Licht, mehr Sonne, mehr Wärme...
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  6. Liebe Frauke,
    ich wünsche dir viel Kraft und Gelassenheit. Du hast einen wundervollen Ruhepol gefunden und ich bin mir sicher, dass er dir helfen wird!

    Fühl dich gedrückt und bis bald
    Katti

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    1. Liebe Katti!
      Vielen Dank für deine lieben Worte! Ich finds immer voll schade, wenn ich Verabredungen "nur" wegen meiner Krankheit absagen muss. Aber heute kann ich das schon ein Stück weit mehr akzeptieren als gestern und die Tage davor.
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  7. Liebe Frauke,
    auch wenn das Gefühl eines nahenden Tiefs natürlich nicht toll ist finde ich es großartig, dass Du jetzt schon, nach doch recht kurzer Zeit mit Deiner Diagnose, so weit bist zu erkennen wann es Zeit ist, die Reißleine zu ziehen. Du machst das genau richtig! Schnapp Dir Deinen Tee, Deine süße Mina und nimm Dir die Zeit, die Du brauchst.
    Fühl Dich ganz doll gedrückt
    Sunny

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    1. Liebe Sunny!
      Als ich damals die Diagnose bekam, sagte mir leider niemand dazu, dass es eine chronische Erkrankung ist. Da ging ich noch davon aus, dass in ein paar Wochen oder Monaten alles wieder weg wäre. Pustekuchen. Aber heute gehts mit dem Akzeptieren auch bereits viel besser, als gestern und die letzten Tage.
      Auch wegen eurer lieben Worte hier!
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  8. Liebe Frauke,

    auch ich wünsche Dir viel Kraft, Stärke, innere Ruhe und Gelassenheit, damit Du wieder zu Kräften kommst. Es ist großartig, dass Du mittlerweile in der Lage bist, ein drohendes Tief zu erkennen und dass noch bevor es Dich "eiskalt" erwischt. Du bist auf einem wirklich guten Weg, mach weiter so.

    Fühl' Dich ganz fest gedrückt!

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Liebe Nicole!
      Du bist lieb, vielen Dank!!!
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  9. Liebe Frauke,

    dass du einen echt guten Fotoblick hast, habe ich ja schon öfter geschrieben. Auch heute hast du wieder tolle Bilder gefunden.
    Ich kann mir vorstellen, dass es extrem schwierig ist, zu akzeptieren, dass das nun einmal ein Teil von dir ist, der wiederkommen kann, auch wenn man ihn nicht mag. Ich wünsche dir viel Kraft und Geduld. Der kommende Frühling wird sicher auch ein bisschen helfen. Schade, dass Mina kein Radfahren mag. Ich kenne nichts, was meinen Kopf besser durchpustet. Aber spazieren geht sicherlich auch gut.

    Fühl dich gedrückt!
    Liebe Grüße
    Nele

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    1. Liebe Nele!
      Vielen Dank für deine lieben Worte zu meinen Fotos und auch sonst!
      Wenn Mina um mich herum rennt und tobt und Lebensfreude versprüht, dann ist das annähernd so schön wie radeln...
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  10. Das ist aber gar nicht schön! Ich hoffe sehr, dir geht es bald wieder besser und schicke dir virtuell etwas Energie rüber... wusch!
    Drück dich!

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  11. Liebe Frauke,ich wünsche dir ganz viel Kraft um dieses Tief zu umgehen!! ich wünsche dir,dass du dich an jedem Tag an mindestens etwas Kleinem erfreuen kannst! <3 so wie dein Spaziergang,die Bilder sind unglaublich schön!!
    Liebe Grüsse und eine feste Umarmung schicke ich dir :-*

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  12. Ich kann mich den anderen eigentlich nur anschliessen Frauke. Immerhin erkennst Du jetzt schon wenn es zuviel wird und nimmst die Anzeichen wahr. Gut, dass Du Mina hast, Deine treue und so süsse Begleiterin.
    Ich drücke Dich meine Liebe und hoffe für Dich, das ganz bald alles irgendwie besser wird. Drücke Dich ganz dolle! LG NIna

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    1. Liebe Nina! Ich merke, dass es mir seit gestern echt besser geht. Die ganz ruhigen Tage haben mir sehr gut getan und nun gehts wieder bergauf!
      Ganz lieben Dank für deine Worte!
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  13. Eigentlich wurde alles gesagt: ich denke, die Erkenntnis, dass es immer mal wieder dazu kommen kann... und dass DU deine Warnzeichen erkennen kannst... das ist soooo unglaublich wichtig! Und das eine oder andere Tief zu überstehen - und zu erkennen, dass es dich nicht für Wochen oder Monate aus der Bahn wirft, sondern vielleicht nur stunden oder Tage... das ist doch ein riesiger Schritt nach vorne, oder?? Und es ist so wichtig, seine eigene Reißleine zu ziehen... und NEIN - das ist kein Egoismus... sondern die einzige chance, dass es dir (oder mir...) nicht schlecht geht... fühl dich gedrückt!

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Ich freu mich über jedes liebe Wort von euch :-)