Montag, 2. März 2015

"Was heißt Depression für mich" - Teil 7 -

Mein letzter Beitrag in dieser Reihe ist nun schon etwas über 3 Monate her. Als ich gerade einen Kurzfilm des Münchner Bündnis gegen Depression sah, habe ich direkt daran gedacht, ihn in meine Themenreihe mit aufzunehmen.

Depression psychische Erkrankung 

Vergesst beim Lesen bitte nicht, dass ich hier mein eigenes Erleben und meine eigenen Erfahrungen wiedergebe! Jeder Depressive erlebt die Krankheit auf seine eigene Art und Weise. Die Symptome können sehr verschieden sein. Alles, was ich zu diesem Thema schreibe, schreibe ich als "Betroffene". Ich habe keinen medizinischen oder sonstigen fachlichen Hintergrund, sondern berichte von mir und meinen Erfahrungen mit der Krankheit. Die grundlegenden Dinge, die hinter einer Depression stecken, habe ich mir in verschiedenen Fachbüchern und im Internet angelesen.


Wie sieht die Welt aus deinen Augen in Tief-Phasen aus?


Schaut euch bitte als erstes diesen Kurzfilm an.

Der Film zeigt es sehr deutlich. Um mich herum ist alles schwarz, bedrückend, angsteinflößend. Es ist ein bißchen wie bei Harry Potter, wenn die Dementoren kommen. Alles wird kalt und negativ. Ich sehe in der Ferne bunte Farben und fröhliche Menschen. Aber die befinden sich weit von mir entfernt. Sobald ich mich dem lustigen Leben nähere, rennt es von mir davon. Meine Mimik ist erstarrt. Ein Lächeln erscheint mir wie ein Ding der Unmöglichkeit. Die Aussichtslosigkeit frisst mich auf. Bunte Farben sehen plötzlich schwarz und grau aus. In meiner Umgebung bin ich allein mit mir. Selbst wenn ich unter Menschen gehe, fühle ich mich abgesondert und distanziert. Wie von einem anderen Stern. Ich bin ein Wesen, das nichts mehr mit der eigentlichen "Frauke" zu tun hat. Während um mich herum alle Welt fröhlich und gut gelaunt ist und sich des Lebens freut, versinkt meine Gefühlswelt in einem schwarzen Meer. Zurück bleibt eine sehr verunsicherte, von den äußeren Reizen überforderte Frauke, die gerade den Halt unter den Füßen verliert.

Vor einigen Monaten gab es bereits eine Fotoreihe beim Stern, in der es darum geht, wie sich Depression anfühlt. Mir gefällt sie sehr gut. Die Emotionen bzw. das Fehlen von Emotionen, das mir selbst gut bekannt ist, wird hier deutlich. Eine Freundin sagte mir mal, dass sie die Traurigkeit und die Antriebslosigkeit einer Depression gut nachvollziehen kann. Aber was Emotionslosigkeit sein solle, das ist für sie nahezu unvorstellbar. In diesem Moment war ich schon fast neidisch auf sie. Und das hat einen einfachen Grund: Viele Dinge können wir erst dann verstehen und begreifen, wenn wir sie selbst erlebt und gefühlt haben. Vor meiner Depression wäre der Begriff "Emotionslosigkeit" für mich bestimmt auch sehr fremd gewesen. Nun, nach einem sehr sehr tiefen Tief und einigen schwächeren Tiefphasen, ist dieses Nicht-Vorhandensein von Gefühlen sehr wohl ein Begriff für mich.


Ist es für euch (als Verwandte, Bekannte, Freunde) mit den zwei Links von oben etwas leichter, das Erleben von uns "Betroffenen" nachzuvollziehen? 

Und für euch anderen Mit-Erkrankten: wie seht ihr sowohl das Video, als auch die Bilderreihe? Erkennt ihr euch darin wieder? Kennt ihr vielleicht ähnliche Projekte? Dann teilt mir das sehr gern unten in den Kommentaren mit!


Als ich Mitte Februar schrieb, dass ich gerade merke, dass sich ein Tief nähert, habe ich sehr viel positiven Zuspruch von euch bekommen. Dafür möchte ich euch an dieser Stelle nochmal von Herzen danken! Es tat sehr gut, all eure lieben Worte zu lesen!!! Und wirklich: ich habe dieses Mal die Reißleine rechtzeitig gezogen. Zwei Wochen später kann ich guten Gewissens sagen: die Warnsignale verschwinden nach und nach. Die beginnende Emotionslosigkeit ist weg. Meine Energie kehrt langsam zurück. Es dauert noch ein paar Tage, bis alles Warnsignale komplett abgeklungen sind, aber ich bin sehr zuversichtlich! Für mich bedeutet das übrigens einen riesigen Fortschritt: ich habe ein Tief erkannt, bevor es mich überrollt hat, und ich konnte aktiv gegensteuern! Das fühlt (!) sich grandios an, auch wenn die letzten Wochen wirklich kein Zuckerschlecken waren. 


Hier kommen die anderen Fragen und die Klicks zu den Antworten:

  • Teil 1: Depressionen bezeichnet man doch als Krankheit im Kopf? Was passiert da genau? KLICK
  • Teil 2: Hängt deine Therapie direkt mit deiner Depressionen zusammen? Warum wird deine Depression durch "alten Kram" verstärkt?  KLICK
  • Teil 3: Wie fühlt sich ein Tief an? Was passiert, wenn du weinen musst? Hast du Angst? Wodurch wird dieses Bedürnis ausgelöst? Hast du dabei auch Kopf- oder andere körperliche Schmerzen?  KLICK 
  • Teil 4: Wie ist dein Alltag mit deiner Depression, wenn du kein Tief hast? Merkst du die Krankheit dann auch?   KLICK 
  • Teil 5: Was erwarte ich von meinen Freunden?   KLICK 
  • Teil 6: Warum machst du während eines Tiefs so viele Ausflüge?   KLICK  

Kommentare:

  1. Hallo Frauke,
    ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und bin erstaunt wie offen du darüber schreiben kannst.....aber Schreiben hilft! Es ist raus! Gedanken spielen sich nicht mehr nur im Kopf ab.
    Ich muss mir ein wenig mehr Zeit für deinen Blog nehmen....denn hier gibt es einiges für mich zu lesen....aber jetzt muss ich alles für die Arbeit zurecht machen. Sei ganz lieb gegrüßt von Stine

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    1. Hallo Stine,
      herzlich willkommen bei mir :-)
      Wer weiß, vielleicht treff ich dich jetzt häufiger hier?
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  2. Liebe Frauke,

    ein schöner und gleichzeitig ergreifender Kurzfilm. Und sicherlich auch sehr treffend. Danke für's Teilen!

    Und HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zu Deinem Meilenstein! Dass Du die Anzeichen eines Tiefs erkennen kannst ist schon toll, aber dass Du auch noch in der Lage bist, etwas dagegen zu tun, ist super! Ein Meilenstein eben. Juhu!

    Fühl Dich gedrückt!

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Danke für deinen Glückwunsch, liebe Nicole! :-*

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  3. Wie schön,dass du die Anzeichen rechtzeitig erkannt hattest und das Tief grösstenteils umschiffen konntest!! Geniesse dieses Gefühl,es (diesesmal) geschafft zu haben. Den Film und die Bilder finde ich als nicht Betroffene sehr gut. Sie zeigen gut auf,wie ihr euch fühlt.
    Fühl dich lieb gedrückt!
    Liebe Grüsse Alizeti

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  4. Den Film finde ich sehr treffend... passend... da fehlt mir nur der Regen... wenn es mir schlecht geht, dann gehe ich am liebsten raus, wenn es regnet... und dunkel ist... Sonne, blauer Himmel - das geht dann gar nicht... (dunkles Zimmer, Sonne und "alle anderen glücklichen Menschen" aussperren ist dann angesagt!). Die Fotostrecke finde ich ... hmmm... ich weiß nicht... klischee-haft? Normalerweise mag ich die Fotostrecken vom Stern... bei dieser bin ich mir nicht sicher... (vielleicht weil betroffen???). Ich danke dir einmal mehr für deine offenen und sehr passenden Worte! Fühl dich gedrückt... auf dass das "schwarz" dich erstmal in Ruhe lässt!

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    1. Liebe Marion!
      Stimmt, den Regen hab ich ganz vergessen zu erwähnen. Grauer Himmel, Regen, etwas Wind, genau das passende Wetter! Sonne: furchtbar...
      Liebe Grüße!
      Frauke

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    2. Komisch, oder?? Naja... ist ja eh eine "komische" Krankheit... *seufz*

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  5. Frauke, Liebes - erstmal: WAS BITTE IST DENN JETZT LOS? (mein erster Gedanke eben, als ich den Weg hierher fand und zu lesen begann!) wieso, um Himmels Willen, hab ich dich ERST JETZT gefunden??? (mein zweiter Gedanke!) bin baff, aber sowas von! (m)eine Seelenschwester, endlich! (dachte ich dann weiter...) nun muss ich mich erstmal sammeln - und vor allem: WEITERLESEN!!! :-D oh wat isse glücklich, dich in dieser großen weiten (Blogger)Welt gefunden zu haben! und sie kommt auch ausm Pott - wie ich! (Hagen!)

    fühl dich lieb gedrückt ;) und bis ganz bald!

    liebgruß,
    Liv *

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    1. Liebe Liv! Herzlich willkommen bei mir :-)
      Schön, dass du her gefunden hast! Ich war grad so frei und hab nach deinem wunderbar-herzlichen Text (der mir nach einem nicht wirklich dollen Tag ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hat!) auf deinem Blog gestöbert. Warum haben wir uns vorher noch nicht gefunden?! Wie gut, dass du hier her gekommen bist....
      Ich freu mich auf weitere Besuche bei dir und du bei mir aufm Blog!
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  6. Ich kann auch nur den anderen zustimmen Frauke und Dir gratulieren, dass Du das Tief schon vorab erkannt hast. Da ich damit ja selbst in der Familie konfrontiert bin weiss ich wie GROSS es ist, dies schon zu erkennen.
    Ich drücke Dich!LG NIna

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Ich freu mich über jedes liebe Wort von euch :-)