Dienstag, 10. März 2015

Wer sein Fahrrad liebt, der flickt es selbst!

Lange Zeit war es mir ein Rätsel, wie man einen Platten flickt. In meinen ersten Radurlaub bin ich völlig blauäugig gestartet. Warum sollte ich schon einen Platten haben? Jaha, warum auch nicht? Und ja, ganz klassisch bin ich in eine Reißzwecke reingefahren. Damals stand ich da und konnte nix. Das vorab gekaufte Ruckzuck-Spray, das den Platten von selbst flickt, war natürlich völlig nutzlos.

Keine Sorge, es blieb natürlich nicht bei dem einen Platten. Wenn es jemand schafft, durch Scherben, spitze Steine oder sonstige böse Dinge zu fahren, dann bin ich das. Und weil so Reifenflicken nun mal echt Zeit kostet, aber sehr hilfreich ist, hab ich meiner Radfahrfreundin (und mir selbst auch) vor etlichen Jahren einen Pannenkurs geschenkt. Seitdem können wir das aus dem Effeff. Also, jeder für sich kann seine Schritte. Gemeinsam können wir innerhalb von wenigen Minuten jeden Platten flicken.

Auf dem Innrad hatte ich, soweit ich mich zurück erinnere, fünf Platten. Das war der Zeitpunkt, wo ich auf Unplattbar-Mäntel umgestiegen bin. Die haben in der Reifenmitte eine dickere Gummischicht, sodass spitze Gegenstände nicht so leicht durch dringen können. Das ist zwar praktisch, aber falls es dann doch mal zu einem Platten kommt, hat es den leichten Nachteil, dass der Mantel viel härter ist und deshalb viel schwerer von der Felge runtergeht...

So. Nun hab ich mir mein aktuelles Rad vor mittlerweile 4 Jahren gekauft. Bis letzte Woche ohne Platten, weil: mit Unplattbar-Mänteln. Als ich meine Radfahrfreundin anrief und sie um Hilfe bat, mir beim Flicken zu helfen, versprach sie das auch sehr geschwind. Mh, einige Tage später war immer noch nix geschehen. Und ich allein kann ja nur die Hälfte der Schritte um einen Platten zu reparieren. Jetzt hat nur meine Radfahrfreundin ihren Kopf völlig woanders, weil sie mir eröffnet hat, dass sie im 3. Monat schwanger ist. Das ist natürlich ein sehr schönes und freudiges Ereignis. Bedeutet aber auch, dass sie die kommenden Monate erstmal keine Zeit zum Rad reparieren hat...

Heute Nachmittag hatte ich dann die Schnauze voll davon, ständig zu Fuß zur Arbeit zu laufen. Und so hab ich meine Flicksachen zusammen gesucht und bin mit Mina runter in den Garten gegangen. Theoretisch weiß ich ja, wie die andere Hälfte der Platten-Flick-Schritte aussieht.

So sah zumindest schon mal der Platten aus: 

Reparatur Fahrrad Panne

Fahrrad auf den Kopf gestellt. Vergessen, den Bremszug zu lösen. Also wieder zurück gedreht. Bremszug gelöst. Wieder zurück gedreht. 

Reparatur Fahrrad Panne

Mit DDR-Werkzeug die Befestigungsdinger gelöst (und bei der einen Seite fast verzweifelt, weil sie echt stramm angezogen war...): 

Reparatur Fahrrad Panne

Hinterrad rausgehoben. 

Reparatur Fahrrad Panne

Alle Befestigungen am Ventil abgeschraubt. 

Reparatur Fahrrad Panne

Nach diesem Punkt bin ich leicht wahnsinnig geworden, weswegen es davon auch kein Foto gibt. Der Unplattbar-Mantel ist nämlich echt steif. Den hab ich eine halbe Stunde lang bearbeitet und der hat sie kaum gerührt. Mit viel Fluchen und viel Überredungskunst hab ich ihn dann kurz vorm Aufgeben doch noch soweit von der Felge bekommen, dass ich den Schlauch rausziehen konnte... 

Reparatur Fahrrad Panne

Im Mantel selbst steckte diese fiese Scherbe:

Reparatur Fahrrad Panne

Bis hierhin waren das die Schritte, die ich konnte. Nun hätte normalerweise meine Fahrradfreundin übernehmen sollen. Ich habe mein Bestes gegeben...

Das Loch hab ich gefunden.

Reparatur Fahrrad Panne

Abschmirgeln an der Stelle klappte auch noch. 

Reparatur Fahrrad Panne

Extra frisch gekaufter Kleber aufgetragen:

Reparatur Fahrrad Panne

Reparatur Fahrrad Panne

So, bis hierhin lief alles. Doch dann gings bald nicht mehr weiter... Der Flicken wollte und wollte einfach nicht halten... Nach dem dritten Versuch mit immer mehr Kleber, immer mehr Schmirgeln und immer mehr verklebten Fingern, hab ich alles wütend auf den Boden gepfeffert...

Reparatur Fahrrad Panne

Einer Eingebung folgend hab ich meine Radutensilien durchforstet und leicht wutschnaubend einen Ersatzschlauch gefunden. Einige Jahre alt, aber scheinbar noch funktional. Den eingesetzt und mit noch mehr Wut fast wieder am steifen Mantel verzweifelt... Als alles wieder an Ort und Stelle an der Felge saß, brauchte ich nur noch Aufpumpen und konnte dabei tief Luft holen, um mich etwas zu entspannen.

Reparatur Fahrrad Panne

Luft blieb drin, Hinterrad war fix montiert. Rad steht für den morgigen Arbeitsweg bereit!

Falls ihr euch fragt, was Mina während meines Wutschnaubens gemacht hat, seht selbst: 

Reparatur Fahrrad Panne

Die war völlig entspannt und hat die Sonne und das Leben genossen...

Reparatur Fahrrad Panne

Frühling Wiese

Könnt ihr ahnen, wo mein Fehler beim Ankleben der Flicken lag? Ich bin heute Abend drauf gekommen... Ich hab die Schutzfolie nicht abgezogen. So hält natürlich kein Flicken der Welt auf einem Schlauch...

Moral von der Geschichte: ich kann nun auch allein einen Platten flicken und werde beim nächsten Mal die Schutzfolie nicht vergessen!


(Und mit dieser verzweifelt-geglückten Geschichte vom heutigen Tage hüpf ich fix rüber zu Like-2-Bike und zu "fix it - reparieren ist nachhaltig")

Kommentare:

  1. Ach, Frauke! So´n Pech aber auch! Ich hab mich schon gewundert, warum du da nen Flicken mit Folie neben den Reifen hältst. Aber sicher ist das passiert, weil dir der störrische Reifen schon den letzten Nerv geraubt hat. Boah, ich kann mir vorstellen, wie du den ganzen Krempel in die Ecke gefeuert hast! Zum Glück hattest du noch einen Ersatzschlauch :-)
    Und ich freue mich grad wie Bolle über diesen tollen Beitrag zu Like-2-bike - weißt du, wie lange ich schon vorhabe, einen Reifenflickpost zu schreiben? Ewig ...
    Ganz liebe Grüße
    Christiane

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    1. Siehste, Verwirrung ist ansteckend. Ich meine natürlich Schlauchflickpost ...
      :)

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    2. Hihi :-) Stimmt, eigentlich hätte so ein Text auch von dir sein können! Mach mal bitte einen mit einer "richtigen" Anleitung. Dann trauen sich vielleicht mehr Menschen ihre Räder selbst zu reparieren :-)
      Ich bin übrigens sehr stolz, dass ich bisher an jedem Teil deiner Like-2-Bike-Aktion mitgemacht habe. Und das, obwohl ich anfangs noch meinte: ich radel doch kaum :-)
      Liebe Grüße!
      Frauke

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  2. Ingrid, die Bastelmaus11. März 2015 um 09:37

    Ach ja, das alles kenne ich ! Als Kinder waren wir mal in den Ferien im Westerwald und sind dann von dort wieder nach Hause Richtung Frankfurt/Main (Hessen) gefahren. Irgendwann hatte ich einen Platten, nix dabei und mein Stiefbruder hat dann in regelmäßigen (recht kurzen) Abständen aufgepumpt. Unsere Eltern waren in heller Aufregung und Sorge, denn die Zeit unserer Heimkehr war weit (!!!!) überschritten.
    Endlich heimgekehrt, wurden wir zuerst geherzt, dann geschimpft, warum wir denn nicht wenigstens an einer Tankstelle um HIlfe gebeten hätten! Dieser Gedanke war uns nicht gekommen, ich weiss auch nicht, ob wir überhaupt Geld dabei hatten. Das alles war in den 50iger Jahren, da gab's auch noch keine Telefon o.ä. und ich schätze mal, wir waren etwa 12 Jahre alt.
    Und wenn ich später mal Rad gefahren bin, hoffte ich immer, wenn schon, dann bitte ein Platter beim Vorderrad, denn inzwischen (1970 oder später) war es dann ein Rad mit Gangschaltung.
    Ach ja, da ist längst Vergessenes mal wieder "aufgeblüht".
    LG Ingrid

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    1. Liebe Ingrid!
      Was für eine aufregende Geschichte! Das kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen: zwei 12-jährige Kinder, die ohne Geld und ohne Handy eine Radtour machen... Und damals war es so normal und ihr hattet (vom Platten mal abgesehen) bestimmt immer eine Menge Spaß!
      Ich hoffe, dir gehts gesundheitlich langsam besser?! Auf jeden Fall wünsch ich dir weiterhin eine fixe gute Besserung und ich meld mich die Tage wieder per Email bei dir!
      Liebe Grüße!
      Frauke

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  3. Oh je! Sehr tapfer von dir! Ich bin ja, obwohl tägliche Radfahrerin, eine Reparatur-Niete. Ich hab da auch gar keine Lust drauf. Ich bringe mein Fahrrad in die Werkstatt! ;-) Da habe ich gleich noch das Gefühl, etwas Gutes zu tun, denn die Werkstatt gehört zum Jugendausbildungszentrum der Caritas. Da ist es auch gerade, zur Inspektion. Einen Platten habe ich *klopf auf Holz* noch nie gehabt mit diesem Rad! Letztes Jahr bei der Inspektion wurden die Mäntel ausgetauscht, weil sie schon so spröde waren. Aber auch wenn ich mal was akutes habe, kommt das Ding in die Werkstatt. Die Kosten "gönne" ich mir, weil ich denke, es ist immer noch um Ecken günstiger, als mit dem Auto oder Bus zu fahren. Die Kosten des Fahrrads auf Jahr gerechnet: Vielleicht 4 Euro im Monat.

    Aber Respekt vor jedem, der es selber kann oder zumindest versucht! ;-)

    Liebe Grüße
    Nele

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    1. Oh, was für ein Luxus :-) Während andere Leute schon den Kopf über uns Allwetter-Radler schütteln, reden wir bei dem Besuch einer (im Vergleich zur Autowerkstatt) kostengünstigen Fahrradwerkstatt schon von "gönnen" :-D
      So schwer ist es übrigens nicht. Man darf halt nur das Schutzding nicht vergessen abzumachen. Und normale Mäntel gehen ruckzuck von der Felge, wenn man erstmal den Dreh raus hat!
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  4. Da bin ich echt froh, dass mein Vater mir das schon sehr früh beigebracht hat! Obwohl ich das Flicken auch hasse wie die Pest, vor allem, wenn's am Hinterrad ist oder wenn's unterwegs passiert und das Loch so klein ist, dass man Wasser braucht, um mittels Luftblasentechnik die undichte Stelle zu finden, hat's bisher immer geklappt... *auf Holz klopft*... Noch ein Tipp: lieber weniger als mehr Kleber nehmen. Man braucht nämlich gar nicht so viel wie man immer denkt...
    Liebe Grüße und danke für den schönen Beitrag,
    Anne-Marie

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    1. Oh, da kannste echt stolz auf die Weitsicht deines Vaters sein :-)
      Auch wenns keine dolle Beschäftigung ist, ist es doch äußerst hilfreich, wenn man/frau weiß, wie es geht :-)
      Danke für den Tipp mit dem Kleber :-)
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  5. haha das könnt ich noch nicht mal...ich ruf dann immer meinen Mann......LOL

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    1. ... selbst wenn ich laut rufen würde, würd hier niemand reagieren ;-) Mina weigert sich standhaft solche Arbeiten zu machen!

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  6. Finde ich super, dass du das hier so lustig-nett beschreibst.
    Ich hate letztens auch echt ein Drama mit meinem Vorderreifen. Platt. Da dachte ich vorne, das kann ich doch selbst, das kann nicht schwer sein. Aber ich habe eeewig gebraucht, um den Mantel von der Felge zu lösen, ehrlich, ich hab fast geheult vor Wut :D

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    1. Jaja, diese bösen, festsitzenden Mäntel...
      Gut, dass du ähnlich wütend warst wie ich :-)
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  7. Selbst ist die Frau... klasse... und dabei noch die Nerven zu haben, zur Kamera zu greifen... schade, dass es keine Fotos von dir gibt - kannst du Mina denn nicht mal das Fotografieren beibringen???? So ein "making-off" wäre doch jetzt noch der Knaller (am besten noch ein Video... mit Ton *pfeif*)

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    1. Liebe Marion!
      Oh ja, das wäre echt witzig, wenn die kleine Mina von mir Fotos machen würd :-D
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  8. Hallo!

    Habe Deinen Beitrag gerade eben durch Christiane (bikelovin) entdeckt. Das ist ja eine ganz wunderbare Reparaturanleitung.

    Bereits das 3. Monat sammle ich Reparaturen aller Arten in meiner Linkparty "fix it - reparieren ist nachhaltig" und möchte Dich ganz herzlich dazu einladen, mit diesem Beitrag (es dürfen auch ältere Beiträge verlinkt werden) daran teilzunehmen.

    https://widerstandistzweckmaessig.wordpress.com/2015/04/01/fix-it-reparieren-ist-nachhaltig-3/

    Mit meinen Linkpartys möchte ich nämlich auch gerne Anleitungen fürs Reparieren sammeln, wenn jemand einmal ein ähnliches Problem hat.

    Würde mich sehr freuen!

    lg
    Maria

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    1. Hey, super! Da schau ich direkt mal rüber und verlink meinen Beitrag :-)
      Vielen Dank fürs Finden!
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  9. Freut mich sehr, dass Du meiner Einladung gefolgt bist!

    lg
    Maria

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Ich freu mich über jedes liebe Wort von euch :-)