Dienstag, 10. März 2015

Wovor ich mich fürchte...

Das Gefühl "Angst" ist stark. Leider machen wir uns unsere Ängste oft nicht bewusst, weil wir Angst vor ihnen haben. Dabei können wir uns unseren Ängsten nur stellen, wenn wir ihnen ins Gesicht schauen. Doch dazu müssen, wir erstmal wissen, wovor wir uns fürchten.

Meine derzeitigen Ängste sind folgende:

  • Armut. In meiner Kindheit gab es nie viel Geld. Die Angst vor Armut ist mir bis heute geblieben. Ein regelmäßiges Einkommen ist für mich ein Stück weit ein Gefühl von Sicherheit. Zuverlässigkeit. 
  • Einsamkeit. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es kaum noch Singles. Nach und nach heiraten (gefühlt) alle. Und werden schwanger. Sie treten in einen Lebensabschnitt ein, der für mich völlig fremd ist. Als Kind und als Jugendliche war ich immer eine Außenseiterin. Nun bin ich fast 32 Jahre alt und das Gefühl kommt schon wieder, nicht dazu zu gehören. Ist bescheuert, ist aber so. 
  • Krebs. Das eine Wort enthält so viel Gefahr, die unberechenbar im Körper lauern kann. Ohne es zu ahnen, könnten die ersten Zellen in meinem Körper entstehen. 
  • Etwas zu verpassen. Lange Zeit bin ich diesem Gefühl hinterher gerannt und habe es versucht einzuholen. Was meint ihr: ist es mir gelungen? Nein, natürlich nicht. Das Gefühl, dass die anderen immer spannende Sachen machen und erleben, kennt wohl jeder. Ich selbst sehe mich oft so, dass ich ein recht langweiliges und unspannendes Leben führe. Wenn ich das jemandem erzähle, schaut der Gegenüber meist erstmal sprachlos und bricht dann in schallendes Gelächter aus. Weil mein Leben für Außenstehende genauso wirkt, wie das Leben von Außenstehenden auf mich. 
  • Zu spät zu kommen. Das hat sich in den letzten Jahren zwar schon gebessert. Aber ich glaube, so ganz werde ich das nie ablegen können. Ich lege mir vor einem Termin oder einer Verabredung einen Zeitablauf im Kopf fest, den ich mehrmals durchspiele. Für was brauche ich vorher wie lange? In welcher Reihenfolge geht es evtl. schneller oder effizienter? Das führt mitunter zu ein klein wenig selbstgemachtem Stress ;-) Als ich zu einer Verabredung mit meiner jüngeren Schwester mal fünf Minuten zu spät kam, war sie sehr stolz auf mich!
  • Ein leeres Vorratsregal. Meines ist immer gefüllt. Mit dem Wichtigsten, was ich so brauche um mir etwas zu kochen, ohne vorher noch einkaufen zu müssen. Dazu zählen neben mehreren Sorten Mehl, auch Reis, Quinoa, Amaranth, alle möglichen Müslizutaten, Zwiebeln, Knoblauch, Maisdosen, auch so wichtige Dinge wie Nussmischungen und eine Notfallration Schoki. Dummerweise vergesse ich manchmal am Samstag, dass ich noch dringend Milch kaufen muss. Wenn ich dann sonntags ohne Milch da stehe, könnte ich wahnsinnig werden. (H-Milch kommt mir nur mit auf den Campingplatz, aber nicht in die Wohnung.)
  • Den Wecker zu überhören. Abends kontrolliere ich immer, ob die Weckzeit stimmt. Als wenn ich sie ausversehen, verstellen könnte... Und dann wach ich meistens doch noch vor dem Weckerklingeln auf. 
  • Dass der Herd noch an ist. Nachdem ich einmal wirklich vergessen habe, ihn auszustellen, kontrolliere ich den Herd bei fast jedem Verlassen der Wohnung. Mina kennt das schon. Geschirr und Leine sind dran. Frau(k)chen rennt hektisch zurück in die Küche um den Herd zu kontrollieren. Ihr Gesicht spricht in diesen Momenten Bände.

Auch wenn es sich vielleicht etwas krankhaft anhört, habe ich neben der Depression keine Angststörung. Vielleicht deshalb, weil ich versuche meine Ängste zu erkennen, ihnen "Guten Tach!" sage und einen Kaffee anbiete. Das Akzeptieren dieser negativen Gefühle fällt mir manchmal echt schwer. Daran arbeite ich aber weiter. Und: negative Emotionen gehören genauso zum Leben dazu, wie positive. Beide sind ein Teil von jedem von uns. Genau deshalb darf ich auch mal herzhaft und aus tiefstem Bauch heraus fluchen und böse Wörter benutzen. Diese Seite ist halt auch ein Teil von mir.

Angst Baum hoch Himmel blau


Wie ist das bei euch? Wovor habt ihr Angst? Wie geht ihr mit diesem Gefühl um?

Kommentare:

  1. Hallo Frauke,
    also solche Ängste wie du sie hast, habe ich nicht. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen das solche Ängste je nach Tagesform sehr belastend sein können.
    Bei mir liegt leider eine Angststörung vor in Form von Angst vor fremden Menschen bzw. überhaupt vor Menschen zu haben.
    Ich mag es nicht das Gefühl zu haben, jeder guckt mich an. Das macht mir immer sehr zu schaffen, selbst wenn ich sehe das andere mich überhaupt nicht angucken oder wahrnehmen. Ich bewege mich deswegen nur äußerst ungern allein in fremder Umgebung. Wenn mein Mann dabei ist und ich seine Hand jederzeit anfassen kann macht mir das alles nichts aus.
    Bei mir kommt das alles aus der Kindheit. Meine Eltern ließen sich scheiden da war ich 7. Danach war ich viel zu oft mit mir allein. Und der Rest des Lebens bis heute hat mir leider auch nicht immer gut mitgespielt. Aber ich weiß ja was es ist und arrangiere mich langsam damit. Nicht immer einfach aber machbar. Es braucht halt nur seine Zeit.
    Ich wünsche dir weiterhin alles Gute auf deinem Weg. Es sieht so aus, als wäre er genau der richtige für dich.

    Ganz liebe Grüße sendet Dir

    Silke

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    1. Liebe Silke!
      Ich wünsche dir ausreichend Kraft um dich deinen Ängsten zu stellen. Es ist sicher nicht immer einfach, wenn du dich ständig beobachtet und unsicher in fremder Umgebung fühlst.
      Liebe Grüße!!!
      Frauke

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  2. Liebe Frauke,

    keine Sorge: Ich hatte für meinen Teil beim Lesen Deines Posts überhaupt nicht das Gefühl, dass Du unter einer Angststörung leidest. Zumal all' Deine Ängste - wie ich finde - ziemlich normal sind und in gewisser Weise auch begründet sind (man muss sich ja nur mal einen Tag lang die Nachrichten ansehen und darüber nachdenken, was die Gesellschaft heute von jedem Einzelnen so erwartet, da sind Deine Ängste durchaus nicht irrational).

    Auch ich habe so meine persönlichen Ängste. Viele davon haben ihren Ursprung definitiv in den unzähligen Filmen, die ich im Laufe meines Lebens gesehen habe, und damit meine ich jetzt nicht nur die zugegebenermaßen irrationale Angst vor roten Bällen im Keller, Geistern und Co,, sondern auch meine Angst davor, dass ich ... naja, worüber man sich als Frau halt Gedanken macht. Ich habe sogar schon über einen Selbstverteiligungskurs nachgedacht, aber ernsthaft: Wenn da ein Mann vor mir steht und der meint es ernst, dann nützt mir der wohl auch nix.
    Und so manche Deiner Ängste "teile" ich mit Dir. Aber wie Du selbst schreibst: Bei einigen Ängsten ist es das Beste, ihnen "Guten Tag" zu sagen, sie anzulächeln und sie vorüberziehen zu lassen wie Wolken. Denn das machen sie doch: Sie kommen und gehen, ob wir es wollen oder nicht. Und natürlich uns immer wieder bewusst zu machen, dass wir vielen Ängsten bewusst entgegensteuern können. Bei anderen können wir leider nur eines: Das Beste hoffen!

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. 1. Es muss im ersten Satz natürlich "halte" heißen, nicht "hatte". Schnelles Tippen hat so seine Tücken. ;-)

      2. Sorry, dass es wiedermal so ein langes Kommentar geworden ist. Aber ich habe das mit dem "kurzfassen" aufgegeben. ;-)

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    2. Liebe Nicole!
      Mal ehrlich: hab ich mich jemals über deine so lieben und langen und tollen Kommentare beschwert?! Ebend! Ich freu mich immer sehr darüber! Es ist toll, dass du dir so viel Zeit und Mühe damit machst!
      Liebe Grüße!
      Frauke

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  3. Liebe Frauke,
    erstmal Hut ab, dass du so offen darüber schreibst. Die meisten haben doch ANGST diese Ängste überhaupt auszusprechen. Wir sind doch alle taff und gut draf, da kann man doch keine Ängste haben - so nach dem Motto. Was natürlich Quatsch ist. Ängste habe ich auch, ich fahre nicht allein mit einem Fahrstuhl und ich fahre überhaupt nicht gern allein mit dem Zug/Bus o. ä. irgendwohin wo ich die Strecke nicht kenne und genau weiß wann und wo ich aussteigen muss.
    Ich denke in jedem ist eine kleine Angst und ich finde das gar nicht so schlecht, völlig abgebrüht durch Leben laufen klingt zwar schön, aber wo sind wir dann noch Mensch.
    Ganz liebe Grüße von Stine

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    1. Liebe Stine!
      Es ist schön von anderen Alltagsängsten zu lesen ;-) Und du hast völlig recht: jeder hat Ängste. Der eine gibts zu, der andere nicht!
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  4. Hallo Frauke,
    mit Ängsten hatte ich vergangenes Jahr bis Mitte Januar diesen Jahres zu tun, nämlich Prüfungsängsten!
    Hatte ich bei meiner ersten Ausbildung auch schon und beim Führerschein ebenfalls :-/
    Letztendlich ging alles immer gut bis sehr gut aus, aber scheinbar will ich es immer ganz perfekt machen und keine bestandene Prüfung hat an der Angst etwas geändert.
    Ich kann keine fiesen Psycho-Gruselschocker im Fernsehen schauen, weil ich danach entweder schlecht schlafe oder schlecht träume, also lasse ich das, sofern ich es vorher weiss.
    Zu volle Plätze und zu dicht gedrängte Menschen machen mir nicht direkt Angst, aber mir wird mulmig und unangenehm.
    Ich finde Ängste sind etwas ganz Menschliches und solange sie nicht überhand nehmen oder einen sehr im Leben einschränken, gehören sie irgendwie dazu ;o)

    Lieben Gruß
    Conny

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    1. Liebe Conny!
      Prüfungsängste haben ja auch viele Menschen. Klar, Prüfungen hat man meist ja nicht so oft und wie soll man da auch routiniert dran gehen, wenn sie selten vor kommen?
      Gruselschocker schau ich mir übrigens auch gar nicht an. Selbst der Tatort ist mir schon zu gruselig...
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  5. Liebe Frauke,einige deiner Ängste kann ich durchaus auch bei mir vermerken. Z.B. Einsamkeit (werde ich irgendwann jemanden finden,der bei mir bleibt) und Krebs (oder allgemein Krankheiten). Bei mir kommt auch manchmal eine Angst auf,ob ich je einmal eine eigene Familie haben werde.Auch in dunklen Kellern,Räumen, Gassen,Bahnhöfen habe ich eine Angst. Machmal habe ich auch Angst vor dem Unbekannten/der Zukunft. Obwohl ich nicht wissen möchte,was alles noch af meinem Weg geschieht. Besten Dank für deinen Beitrag,der zum Denken anregte!
    Liebe Grüsse Alizeti

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    1. Liebe Alizeti!
      Deine Ängste kann ich auch sehr gut nachvollziehen. Dunkle Orte, die können ganz schön furchteinflössend sein... Und wer weiß, was die Zukunft bereit hält. Auch wenn wir uns oft auf all die unbekannten Momente freuen, die noch vor uns liegen, können sie uns auch manches Mal ängstigen.
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  6. Meine Ängste hängen eigentlich großteils mit meiner Familie zusammen. Ich habe Angst, dass meinen Partner oder meinen Kindern was passieren könnte. Und in weiterer Folge dann über die dadurch entstehende Leere in meinen Leben. Manchmal habe ich Angst, dass sich plötzlich alles in meinen Leben verändern könnte. So als würde ich jetzt in einer glitzerden Seifenblase leben würde, die aber jeden Moment zerplatzen könnte. Ich glaube, dass ich in so einer schnelllebigen Zeit gerne eine Sicherheit hätte, dass sich nicht alles verändert und das irgendwas bleibt. Aber eines ist das Leben garantiert nicht: sicher und vorhersehbar. ;)

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    1. Liebe Julia,
      Die glitzernde Seifenblase ist ein sehr guter Vergleich. Manchmal gehts einem einfach "zu gut", um wahr zu sein, nicht wahr?! Ich wünsche mir in dieser schnelllebigen Zeit auch etwas mehr Sicherheit. Auch wenn ich denke, dass mich das gleichzeitig einengen würde. Seltsam, oder?!
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  7. Liebe Frauke, Du sprichst mir aus dem Herzen. Das kenne ich leider auch...
    Liebe Grüße
    Mirja

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  8. ich habe ständig Angst vor und um jemanden Frauke. Das steht mir so oft im Weg, und ich mag es nicht. Aber all meine Versuche beide Seiten zu betrachten bevor ich schwarz male scheitern irgendwie immer auf halbem Weg. Ich versuche positiv zu denken und es gelingt mir sogar manchmal aber leider nicht immer und ich falle ins "alte" Raster zurück.
    Einige Deiner Ängste kann ich durchaus 1. nachvollziehen und 2. teilen. Von daher denke ich nicht dass Du unter Angststörungen leidest. Das sind für mich normale Ängste. Bei dem einen sind sie ausgeprägter bei dem anderen nicht. Ich finde es ok und es ist nur menschlich.
    Fühl Dich gedrückt vom Schisser des Jahrhunderts, Nina

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    1. Liebe Nina!
      Das Schwarz-Malen ist eine liebgewonnene, weil bekannte, Eigenschaft... Ich drück dir die Daumen, dass du es nach und nach immer häufiger schaffst, die alten Muster hinter dir zu lassen!
      Liebste Grüße,
      Frauke

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  9. Nach einer Angststörung klingt es wirklich nicht... aber vermutlich hast du das Gefühl, nicht "normal" zu sein, weil die meisten anderen ihre Ängste ja gar nicht zugeben (können, wollen...) - die eine oder andere Angst kenne ich... und auch wenn ich manchmal nachts wach liege und und mir viele Gedanken mache... über "aktues" (oder auch nicht) - es ist einfach ein Teil von mir... jede(r) hat sein (ihr) Päckchen zu tragen... und es gibt Phasen, da klappt es besser... und in anderen dann wieder nicht... bei mir war es früher immer das Bügeleisen, dass mir Schnappatmung bereitet hat... jetzt bügel ich einfach nicht mehr *grins*

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    1. Da hast du wahrscheinlich recht: viele Menschen wollen/können sich ihrer Ängste nicht bewusst werden und erst recht nicht in Worte fassen.
      Das Bügeleisen einfach aus seinem Leben zu verbannen find ich einen wunderbaren Lösungsweg ;-)
      Liebe Grüße,
      Frauke

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    2. Ja... wenn es mit den anderen Ängsten doch auch nur so einfach wäre... aber ich arbeite daran!

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Ich freu mich über jedes liebe Wort von euch :-)