Montag, 24. August 2015

#Deutschlandisstbunt - 2 Gerichte aus der Heimat meiner Oma

Meine Familie ist eine Flüchtlingsfamilie. Während des zweiten Weltkrieges musste meine Oma, die damals noch ein Kind war, mit ihrer Mutter, ihrem kleinen Bruder, ihren Tanten und dem halben Dorf aus Ungarn fliehen. Der Flüchtlingstrek bestand fast nur aus Frauen, weil die Männer alle an der Front, in Gefangenschaft oder gefallen waren. Die Flüchtlinge aus dem Dorf teilten sich auf: ein Teil flüchtete auf der Donau per Schiff, die anderen spannten alle noch vorhandenen Pferde vor die Wagen und zogen so in das Unbekannte. Durch mehrere sehr glückliche Zufälle ist die Familie meiner Oma in Passau von Bord des Schiffes gegangen, von einer sehr hilfsbereiten Familie in ihrem Haus aufgenommen worden und dort wieder sesshaft geworden. Durch weitere sehr glückliche Begebenheiten fand mein Uropa nach dem Ende seiner Kriegsgefangenschaft zu seiner Ehefrau und seinen Kindern zurück. Doch einige Familienangehörige starben. Während des Krieges, während der Flucht und während der Kriegsgefangenschaft. Meine Oma denkt bis heute sehr viel an ihre alte Heimat in dem kleinen ungarischen Dorf zurück, das durch die Grenzverschiebungen mittlerweile tschechisch geworden ist. Ich bin mit vielen Geschichten groß geworden, in denen es sich um das Dorf, die Flucht und die Nachkriegsjahre dreht.

Es war eine harte Zeit und sie hat viel Leid und Elend über die Menschen gebracht. Aber es gab viele hilfsbereite Menschen, die in all der Schwärze einen Hoffnungsschimmer boten, so klein er auch sein mochte. Die liebe Frau, die meine Familie damals in ihrem Haus aufgenommen hat, tat das freiwillig und war sehr offen, trotz ihrer eigenen Armut. Sie war allein mit ihrer kleinen Tochter, weil ihr Mann im Krieg war. Bis heute besteht eine sehr enge Freundschaft zwischen meiner Oma und der besagten Tochter.

Wer weiß, ob ich heute hier sitzen würde, wäre damals nur ein Ereignis auf der Flucht anders verlaufen und wäre die Hilfsbereitschaft der Menschen nicht so groß gewesen.

Deshalb habe ich ein großes Verständnis für jeden Menschen, der vor Krieg flieht. Mich macht es stinksauer, wenn ich lese, höre und sehe, wie schrecklich an manchen Orten mit Flüchtlingen umgegangen wird. Ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch, außer er ist Nazi. Wenn jemand all sein Hab und Gut und Teile seiner Familie und Freunde zurück lässt, ist das ein unvorstellbarer und für uns (im sicheren Deutschland) nur schwer nachvollziehbarer Schritt. Was muss einem Menschen widerfahren sein, damit er sein bisheriges Leben so hinter sich lässt und sich auf die gefährliche Flucht mit völlig unbekanntem Ziel und offenem Ende begibt? Welche Strapazen sind all den Menschen begegnet, die es bis nach Deutschland geschafft haben? Ganz aktuell strömen wieder viele Flüchtlinge in Passau über die Grenze, so wie damals meine Familie auch. Menschen, die Schutz suchen. Und keine weitere Gewalt und Hass. Nur wenn wir ihnen helfen, werden sie eine sichere Zukunft haben!

Als ich bei Conny von der Bloggeraktion #DEUTSCHLANDISSTBUNT gelesen habe, war mir schnell klar, dass ich hier mitmachen wollte. Conny ruft dazu auf, über ein kulinarisches Blog-Event zu mehr Toleranz und Weltoffenheit aufzurufen. Natürlich sollten es bei mir zwei Rezepte aus der ungarischen Heimat meiner Oma sein! Der "Grenadírmars" (gesprochen: Grenadiermarsch) als Hauptspeise und die Schusterfleckerln (meine Oma nennt sie schon immer so, weswegen ich keine Ahnung habe, wie das ungarische Wort dafür ist) zum Kaffee.

Deutschland isst bunt Blogger-Event Bloggeraktion Grenadiermarsch Rezept Flucht Flüchting Toleranz


Grenadírmars

Das ist ein einfaches, aber sehr schmackhaftes Gericht aus Nudeln und Kartoffeln. Auf den ersten Blick mag die Kombination etwas komisch klingen, aber es schmeckt wirklich richtig gut!

Zutaten für die Nudeln:
  • 400 gr Mehl
  • 3 Eier
  • 1 Prise Salz
  • 200 - 300 ml Wasser
Alle Zutaten zu einem glatten Teig verkneten. Wenn ihr ihn mittig durchschneidet, muss der Tag sehr glatt und gleichmäßig aussehen.

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Den Teig 15 Minuten ruhen lassen. Diesen dann ausrollen und zu kleinen Bandnudeln schneiden.

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Das Nudelholz und -brett hat mein Uropa nach dem Krieg selbst geschreinert.

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In kochendem Wasser bissfest garen. 


Zutaten für den Rest:
  • 600 gr Kartoffeln (gekocht)
  • 1 Zwiebel
  • einiges an Butter
  • Paprikapulver (am besten das würzige aus Ungarn, es geht aber auch ein anderes)
  • Salz 
Die Kartoffeln mit einer Gabel zerdrücken.

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Der Teller stammt von meiner Oma.

Die Zwiebeln in der Butter anbraten. Die Kartoffeln und die Nudeln zufügen. Mit dem Paprikapulver und dem Salz abschmecken. Alles gemeinsam ein paar Minuten weiter anbraten.

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Fertig!

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Schusterfleckerln 

Die duften schon beim Backen total köstlich und sind eine herrliche Ergänzung zum Kaffee!

Zutaten:
  • 400 gr Mehl 
  • 1/4 Liter Milch
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • 100 gr Zucker
  • 1 Ei 
  • 1 Prise Salz
  • 100 gr Butter
  • 50 gr Zucker + 1 Teelöffel Zimt
Alle Zutaten, außer den letzten Punkt, zu einem schön glatten Hefeteig verkneten. Das kann eine Weile dauern. Sollte der Teig zu klebrig sein und das nach einigen vielen Minuten des Knetens immer noch bleiben, erst dann darf man etwas mehr Mehl hinzufügen. Aber erst dann! Meine Oma schaut bei so etwas sehr streng!

Den Teig 1 Stunde aufgehen lassen. Dann ausrollen und in Rechtecke schneiden.

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Die Butter schmelzen lassen. Eine Auflaufform einfetten. Jedes Rechteck einzeln mit Butter bepinseln und reihenweise überlappend in die Auflaufform schichten.

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Mit der Zimt-Zucker-Mischung bestreuen.

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Bei 210 °C für 20 - 25 Minuten backen. FERTIG!

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Mit diesen Rezepten ist an sich keinem Flüchtling geholfen. Aber ich hoffe, ich konnte euch zeigen, dass wir nur mit Toleranz weiter kommen und ein schutzsuchender Mensch unsere Hilfe braucht, um wieder selbst auf eigenen Beinen in seine hoffentlich sichere Zukunft schauen zu können!

Wollt ihr vor Ort helfen? Es gibt so viele Organisationen, die derzeit auf Spenden und ehrenamtliche Helfer angewiesen sind. Für meine Region habe ich die folgenden, weiterführenden Links gefunden:

Übersicht der Flüchtlingsunterkünfte in Dortmund
Übersicht der Organisationen in unserer Region

Es muss nichts riesiges sein. Auch Kleinigkeiten helfen Menschen, die alles verloren haben.

Kommentare:

  1. Liebe Frauke,
    vielen Dank für diesen leckeren Einblick in die ungarische Küche!
    Du hast so recht: es müssen nicht die lang geplante Großtaten sein - auch und gerade die Kleinigkeiten zählen. Denn wenn jeder von uns einen kleinen Beitrag leisten würde, wär vielen Flüchtlingen geholfen.
    Herzliche Grüße
    Conny

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    1. Liebe Conny,
      ich danke dir für deinen Aufruf und die Idee zu dieser tollen Aktion!
      Nur wenn sich genügend Menschen finden, die helfen möchten, können wir auch etwas positives bewirken.
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  2. eine tolle idee, vielleicht geht ja toleranz und hilfsbereitschaft auch ein bissl durch den magen! dass du nudeln selbst machst, find ich beeindruckend! bei uns gibts ein ähnliches bodenständiges gericht, da verwendet man statt der nudeln semmelknödel, die mit den erdäpfeln angebraten werden. die schusterfleckerl schauen auch lecker aus, ich mag solche gerichte, die nicht mit allzu viel firlefanz auftrumpfen.
    lieben gruß, susi

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    1. Hoffentlich! Liebe geht ja bekanntermaßen auch durch den Magen.
      Du, sonst mach ich die Nudeln auch nicht selbst ;-) Aber Oma hat die früher immer selbst gemacht und dann immer ganz viele auf Vorrat. Beim selbstmachen ist mir mal wieder bewusstgeworden, wie viel mehr Arbeit und Sorgfalt die Menschen früher in die Herstellung der Lebensmittel gelegt haben. Heute geh ich einfach in einen Supermarkt und kauf mir fertige Nudeln. Fertig. Aber so handgemachte Nudeln ist da nochmal eine andere Geschichte, auch geschmacklich.
      Genau, ich mag auch Gerichte ohne viel Schnickschnack und Schischi!
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  3. Liebe Frauke, wenn ich dich je besuchen kommen sollte, wünsche ich mir beides. Eins als Hauptspeise und das andere als Nachtisch! ;-)
    Du hast Recht, erst mal ist damit keinem geholfen, aber es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen. Und die Geschichte, die dazugehört, sensibilisiert für unsere eigene Vergangenheit. Danke daher für den Post!
    Liebe Grüße
    Nele

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    1. Liebe Nele,
      sehr gern koche ich dir die zwei Gerichte mal, wenn du mich besuchen kommst :-)
      Ich finde es so wichtig, auch an unsere eigene Geschichte zu denken. Unsere Vorfahren vor gerade mal 2 - 3 Generationen haben selbst noch mindestens einen Krieg erlebt...
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  4. Liebe Frauke,

    eine tolle Aktion! Herzlichen Dank für den Einblick in die ungarische Küche und die Rezepte. Vor allem das süße Rezept ist genau das richtige für einen Süßzahn wie mich. Das gibts bei uns am Wochenende; Zutaten stehen schon auf dem Einkaufszettel. ;-)

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Liebe Nicole!
      Oh, da wünsch ich dir viel Spaß beim Nachbacken und lasst es euch schmecken :-)
      Liebe Grüße!
      Frauke

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  5. So! Und nun? Ich hab Hunger und könnte jetzt so da reinbeissen! aaaaaaaaaaaaaah!
    Danke fürs Teilen Frauke! Muss ich mir merken wo ich Süßes doch so sehr mag

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    1. Soooo ist es richtig :-D Wenn du schon anhand meiner Fotos Hunger bekommst, weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe ;-)
      Liebe Grüße!
      Frauke

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Ich freu mich über jedes liebe Wort von euch :-)