Mittwoch, 10. Februar 2016

Suizid ist ein Tabu-Thema, obwohl sich etwa alle 4 Minuten ein Mensch in Deutschland versucht das Leben zu nehmen

Seit ich mich mit meiner Krankheit auseinander setze, beschäftige ich mich auch mit dem Thema "Suizid". Ohne das Antidepressiva, das ich 2013 für insgesamt 2 Jahre verordnet bekam, würde ich diese Zeilen wahrscheinlich nicht schreiben können. Die Stimme in meinem Kopf, die ich mit der Zeit als Stimme meiner Depression ausmachen konnte, sagte recht laut unschöne Dinge. Anstatt auf die Stimme zu hören, bin ich zum Arzt gegangen und habe mir Hilfe gesucht.

Doch nicht jeder schafft es, sich Hilfe zu suchen oder angemessene Hilfe zu bekommen. Und nicht jeder schafft es, mit der ihm angebotenen Hilfe auf seinen Lebensweg zurück zu finden.

Depression ist eine scheiß Krankheit, die sehr viel Macht über den Körper bzw. den Geist eines Menschen erlangen kann. Und wenn sie zu viel Macht bekommt, kann es sein, dass sie den Menschen dazu bringt, den Körper zu töten. Das ist nicht bei jedem depressiven Menschen so. Aber bei einigen kann es so weit kommen, dass sie einen Selbstmord versuchen und dass dieser im schlimmsten Fall gelingt. (Nicht jeder, der versucht sich umzubringen, ist depressiv. Das nur am Rande bemerkt.)

Angehörige und Freunde wissen meistens nicht, wie sie mit (depressiven) Menschen umgehen sollen, die über Selbstmordgedanken sprechen. Woher auch. Zum Glück ist das kein Alltag für jeden Einzelnen von uns. Ich selbst stand auch sehr rat- und hilflos da, als mir jemand das erste Mal von solchen aktuellen Gedanken berichtete. Die Personen, die mir bisher von ihren Suizidgedanken berichteten, leben alle noch. Mehr als Zuhören und auf Hilfsangebote verweisen konnte ich nicht tun. Und mehr geht auch nicht. Schließlich bin ich keine Expertin und für wirkliche Hilfe nicht ausgebildet.

Auf http://www.frnd.de informieren die "Freunde fürs Leben" über Depression und Suizid. Die Seite richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene (irgendwo habe ich dort den Hinweis gefunden, dass das bis 39 Jahre zählt), an Selbstbetroffene und an deren Angehörige. Die Redakteure der Seite haben selbst Angehörige durch Suizid verloren und wollen etwas daran ändern, dass sich ca. 10.000 Menschen in Deutschland jedes Jahr das Leben nehmen.

Freunde fürs Leben Depression Suizid Selbstmord


Mit ihrer Seite wollen sie depressiven bzw. suizidgefährdeten Menschen, deren Angehörigen und Freunden ein Netzwerk bieten, wo sie sich informieren können und dort Aufklärungsarbeit leisten. Sie möchten Fakten und halbwahre Unwahrheiten voneinander trennen und objektive Tipps geben.

Etwa alle 4 Minuten gibt es in Deutschland einen Selbstmordversuch. Durch das Nicht-Darüber-Reden und Tabuisieren ist niemandem geholfen. Reden hilft.



Der Bruder eines sehr lieben Freundes hat letzte Woche Selbstmord begangen. Vielleicht wegen seiner Depression. Niemand hatte damit gerechnet, weil er über seine Gedanken geschwiegen hat.

Deshalb meine Bitte: wenn ihr selbst betroffen seid, sucht euch Hilfe. Wenn jemand in eurem Umfeld Hilfe braucht, hört ihm zu. Lest euch die Informationen bei "Freunde fürs Leben" durch. Dort gibt es Ansprechpartner und Telefonnummern, die im Notfall weiterhelfen.

Lasst die Depression nicht so viel Macht bekommen, dass sie euch dazu bringt, euch umzubringen. Es geht immer irgendwie weiter!

Kommentare:

  1. Liebe Frauke.
    Ich finde es immer wieder erstaunlich wie offen du mit der Depression umgehst. Du bist echt eine starke Persönlichkeit. Danke das du so ehrlich mit deiner Erkrankung umgehst. Ich hoffe durch deinen Blog kannst du ganz viele für Depression sensibilisieren und
    Danke für den Link, den kann ich gerade gut für einen Freund gebrauchen.
    Lieben Gruß
    Mela

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    1. Liebe Mela,
      danke für deine lieben Worte!
      Ich wünsche dir für deinen Freund genügend Kraft und Energie!
      Liebe Grüße, Frauke

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  2. Hallo Frauke!

    Oh wie schrecklich, wenn es jemandem im nahen Umfeld betrifft, dann geht es einem gleich noch näher. Und in Deinem Fall wahrscheinlich noch ein Stückchen weit tiefer als anderen.

    Schön, dass Du hier Wege aufzeigst, ein tolles Projekt!

    lg
    Maria

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    1. Liebe Maria,
      da hast du recht. Mich beschäftigt es mehr, obwohl ich den Bruder des Freundes so gut wie gar nicht kannte. Aber es ist so, wie wenn man selbst Krebs hat und im Umfeld dann jemand an Krebs stirbt. Das beschäftigt denjenigen natürlich auch.
      Liebe Grüße,
      Frauke

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  3. Ja es ist ein Thema über welches nicht gerne gesprochen wird. Umso toller finde ich es dass Du sagst wie es ist und was Du denkst!
    Mich beschäftigt die Thematik schon lange, und gerade im Moment ist es in meinem Umfeld wieder sehr aktuell, deswegen sage ich hier nochmal DANKE dass Du Dich der schweren Kost annimmst

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    1. Liebe Nina! Ich drück dir die Daumen, dass sich das Thema in deinem Umfeld, in welcher Gestalt auch immer es gerade da ist, bald in eine positive Richtung ändert! Fühl dich gedrückt!

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Ich freu mich über jedes liebe Wort von euch :-)