Freitag, 3. Juni 2016

'Gib Depressionen ein Gesicht' - ein Projekt von Dirk Ludwig

Anfang 2016 startete Dirk Ludwig sein Projekt "Gib Depressionen ein Gesicht". Sein Ziel ist es, mehr Verständnis in der Bevölkerung zu erreichen und die Krankheit mit all ihren verschiedenen Facetten bekannter zu machen.

Los ging es über eine Facebook-Seite, auf der er Texte von betroffenen und nicht-betroffenen Menschen veröffentlicht. Zu jedem Text stellt er ein passendes Foto, das die dahinterliegende Aussage noch mehr verdeutlichen und die Stimmung bildlicher darstellen soll. Hierdurch hat er innerhalb kürzester Zeit viele Menschen erreicht, sodass er die Idee einer eigenen Homepage weiter entwickelte und diese vor kurzem online stellte. Auf dieser Seite könnt ihr übrigens auch meinen Text lesen, der am 12. März 2016 veröffentlicht wurde.

Neben der Homepage gibt es mittlerweile einen Youtube-Kanal auf dem Tagebücher einer fiktiven depressiven Person veröffentlicht werden. In der Selbsthilfe-Gruppe "Gib Depressionen ein Gesicht" für depressive Menschen sowie Angehörige und Freunde auf Facebook findet ein reger Austausch statt. Sie hat mittlerweile über 600 Mitglieder.

Innerhalb von wenigen Monaten hat Dirk Ludwig hier einiges auf die Beine gestellt! 

Und heute habe ich Dirk Ludwig im Interview um euch sein Projekt und ihn selbst vorzustellen :-)

Dirk Ludwig Gib Depressionen ein Gesicht depressiv betroffen selbsthilfe angehörige freunde familie


Magst du Dich mit ein paar Worten vorstellen?

Mein Name ist Dirk Ludwig und ich bin seit dreißig Jahren mit meiner Frau verheiratet. Unsere beiden Töchter sind inzwischen groß und stehen auf eigenen Füßen. Nach wie vor ist die Fotografie lediglich mein Hobby. Vor wenigen Jahren wurde ich durch Burnout aus meiner Tätigkeit im Management einer Bank herausgerissen. Nun nutze ich meine Zeit als Rentner und versuche mein Hobby - die künstlerische Fotografie - mit einem „gemeinnützigen“ Engagement zu verbinden.


Wann ist die Idee zu Deinem Projekt "Gib Depressionen ein Gesicht" entstanden und wie kam es dazu? 

Die Idee zu dem Projekt selbst hatte ein Model Anfang diesen Jahres, mit der ich die erste Bildserie zum Thema Depressionen verwirklicht habe. Anna I. Ahrens – die schon seit ihrer Kindheit unter Depressionen leidet - ist unser Gesicht des Projektes, welches überall zu finden ist.


Zu dem Projekt haben schon einige Menschen ihre Geschichten und/oder Fotos beigesteuert. Wie viele sind es bisher gewesen? 

Ich schätze inzwischen sind es wohl an die 100 Beiträge, die seit Projektstart Anfang Februar 2016 veröffentlicht worden sind. Also im Duchschnitt an jedem Tag ein Beitrag.


Wie sind diese Menschen auf Dich aufmerksam geworden?

Die Kampagne ist bisher allein über Facebook bekannt geworden, da ich über meine Facebook-Seite  „dirk-ludwig-fotografie“ bereits eine Menge Follower habe. Darüber hinaus habe ich mein Projekt über bestehende Facebook-Gruppen zu psychischen Erkrankungen bekannt gemacht. Und habe BloggerInnen – so wie Dich ja auch – angeschrieben, ob wir uns nicht gegenseitig vorstellen können. Je mehr Menschen über das Thema Depressionen berichten, desto eher bekommen wir diese Krankheit aus der Tabuzone heraus. Daher ist mir eine Vernetzung sehr wichtig.

Auch bitte ich jedes mal darum, meine Beiträge auf Facebook zu teilen oder den „Gefällt mir“-Button zu drücken. Dabei geht es mir nicht darum, möglichst viele Likes für den Beitrag zu bekommen, sondern es geht darum, das möglichst viele Menschen die Beiträge über Depressionen sehen. Denn über das Liken und Teilen der Beiträge, sehen die Freunde der Personen, die den Beitrag angeklickt haben, auch die Projekt-Veröffentlichungen. So verbreitet sich das Depressions-Projekt wie ein Schneeballsystem.


Ist irgendwo schon mal über Dein Projekt berichtet worden?

In der aktuellen Ausgabe des MILES!- Magazins (2/2016) – dem Magazin für seelische Gesundheit und Emotionen – wird das Projekt ausführlich vorgestellt. Mit dem Magazin ist auch eine regelmäßige und intensive Zusammenarbeit vereinbart.


Wenn Du die meist sehr persönlichen und berührenden Beiträge zugeschickt bekommst, wie gehst du damit um? Kannst du genügend Abstand für dich wahren oder gibt es auch einige Texte, die dich länger beschäftigen?

Mich erreichen ganz unterschiedlichste Texte. Zum einen sind es Gedichte zum Thema Depressionen und zum anderen persönliche Erfahrungsberichte. Die Gedichte sind wunderschön und ich mag sie sehr. Berührender sind häufig natürlich die persönlichen Schicksale, Lebensgeschichten, die ich erfahre. Es öffnen sich auch Menschen, wie z.B. Models, Fotografen oder Digitalartisten, mit denen ich schon zusammen gearbeitet habe, die ich also persönlich kenne und bei denen ich nie erwartet hätte, dass sie unter Depressionen leiden. Aber so ist die Krankheit, die meisten Menschen tragen eine Maske, dass niemand erkennen kann, dass sie depressiv sind. Doch das Tragen der Maske kostet ganz viel Kraft. Auf die mir zugeschickten Beiträge versuche ich mit Empathie einzugehen und trotzdem einen notwendigen Abstand für mich zu wahren.


Woher holst Du die Inspirationen für deine ausdrucksstarken Fotos?

Ich betreibe die künstlerische Fotografie schon seit 30 Jahren. Es ist also ganz viel Erfahrung im Spiel. Wenn ich fotografiere, dann lasse ich mich meist von der Location und vor allem vom vorhandenen Licht inspirieren. Ich arrangiere meist dann spontan, weil für mich Fotografieren das „Malen mit Licht“ ist und das kann man vorher nicht planen. Auch versuche ich mich auf das Model einzulassen, in ihre Seele zu schauen, eine Stimmung für das besondere Foto zu erzeugen.


Bitte beschreib uns deine recht neue Homepage "Gib Depressionen ein Gesicht".

Ab sofort gibt es auch eine eigene Homepage zu dem Projekt: Ihr findet sie unter www.gib-depressionen-ein-gesicht.de. Dort findet Ihr alle bisher veröffentlichten Gedichte, Texte und Bilder sowie die Spruch-Karten und die Mut-Mach-Karten.

ZIEL des Projektes „Gib Depressionen ein Gesicht“ ist es, DEPRESSIONEN ALS KRANKHEIT bekannter zu machen. MEHR VERSTÄNDNIS für Betroffene in der Bevölkerung zu erreichen, indem durch emotionale Bilder und Worte Botschaften transportiert werden, wie sich ein depressiver Mensch fühlt. BETROFFENEN MUT ZUZUSPRECHEN, zu Ihrer Krankheit offen zu stehen. Die Krankheit aus der - nach wie vor teilweise bestehenden - TABUZONE HERAUS ZU BEKOMMEN.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, über die Medien möglichst viel Aufmerksamkeit für das Thema zu erzielen. Aus diesem Grunde stellen wir den Medien über unsere Homepage gern aktuelle Presse-Informationen zu dem Projekt „Gib Depressionen ein Gesicht“ zur Verfügung. Gern können die emotionalen Bilder und die dazugehörigen Texte verschiedener Autoren - unter Nennung aller Beteiligten – für die Berichterstattung in den Medien verwendet werden.

Z.Zt. arbeite ich bei dem Projekt mit ca. 20 verschiedenen Autoren, 10 Digitalartisten und 5 Fotografen zusammen.

Besonders danken möchte ich meinem engsten Team, die mich in dem Projekt „Gib Depressionen ein Gesicht“ so toll unterstützen. Ohne sie wäre die bisherige fantastische Entwicklung nicht möglich gewesen. Der Erfolg des Projektes ist vor allem das Ergebnis eines Teams, die mit Begeisterung und Leidenschaft und alle ehrenamtlich - für den guten Zweck - zusammenarbeiten.

Stellvertretend für die vielen Unterstützer bei meinem Depressionsprojekt möchte ich fünf Personen besonders danken. Zum einen Nadine Wagner, die gemeinsam mit mir die treibende Kraft bei dem Projekt ist. Der Autorin Asmodina Tear, die speziell für meine Fotos, sehr viele berührende Gedichte schreibt. Dem Model Anna I. Ahrens, die die Idee zu dem Projekt selbst hatte und mit der ich die erste Bildserie zum Thema Depressionen verwirklicht habe. Der Autorin Lisa M. Lenardi, die für mich ebenfalls Ideengeberin ist. Und last but not least, dem Dustin Guske, der die Bildkampagne initiiert hat.


Vielen Dank für deine ausführlichen Antworten! Dein spannendes Projekt wird sich hoffentlich weiterhin so erfolgreich verbreiten :-)

1 Kommentar:

  1. Das hört sich sehr spannend an und die Homepage finde ich toll gestaltet.
    Liebe Grüsse Alizeti

    AntwortenLöschen

Ich freu mich über jedes liebe Wort von euch :-)