Montag, 19. Dezember 2016

Träume sind keine Schäume!

Ich habe Albträume seit ich denken kann. Der früheste, an den ich mich erinnere, war, als ich ungefährt 3 oder 4 Jahre alt war. Damals träumte ich, der ganze Kindergarten würde langsam mit Wasser vollaufen. Wir haben noch alles versucht und leere Behälter heran getragen, aber das Wasser war nicht mehr zu stoppen. Ein anderer spielt etwa 1 oder 2 Jahre später. Damals war tagsüber immer ein Zivi bei uns, um meine Schwester in den integrativen Kindergarten zu begleiten. In meinem Traum saßen wir zu dritt an unserem Esstisch. Der Zivi nahm ein kleines Messer und eine Untertasse, die er unter das Handgelenk meiner Schwester stellte. Dann fing er an, ganz langsam die Hand vom Arm abzuschneiden und fing das herablaufende Blut auf der Untertasse auf.

(Übrigens: damals durfte ich kaum fernsehen: An einem solchen Einfluss kann es also nicht gelegen haben, dass ich solche Bilder in mir drin hatte.)

So prägnante Bilder begleiten mich in allen möglichen Traumgestalten und Traumvariationen mein Leben lang. Bevor ich mit meiner Therapie anfing, kamen sie immer mal wieder phasenweise. Aber wenn sie kamen, dann geballt und für mehrere Wochen am Stück. Ich habe nachts viele Menschen sterben sehen, ermordert aufgefunden, wurde selbst aufs bitterlichste verfolgt oder habe mein Leben auf verschiedene Weisen beendet.

Gerade im Urlaub auf den auspowernden Radreisen (ich habe hier schon mal über meine Fahrradliebe erzählt) oder bei den Wanderurlauben kamen nachts die bedrückensten Träume aus meinem Unterbewusstsein. Sobald der Alltagstrubel um mich herum ausgeschaltet war, meldete sich etwas in mir drin und wollte Gehör finden. Da ich tagsüber nicht in mich hinein hören wollte (oder konnte?), meldete sich mein Unterbewusstsein nachts umso heftiger und deutlicher. Damals habe ich mich damit abgefunden. Schließlich kannte ich diese Art der Träume schon immer und dachte, sie wären halt einfach da und dann ist aber auch vorbei mit der Bedeutung. Dass mein Körper mir damit etwas sehr deutlich sagen wollte, darauf kam ich erst mit Hilfe meiner Therapie.

Träume Schäume Traumdeutung Albträume Depression Ängste Hilfe Weg Westruper Heide Hund Winter

Von der "normalen" Traumdeutung mit Hilfe von starren Symbolen, die dann eine oder mehrere zugewiesene Bedeutungen haben, halte ich nicht viel. Diese vorgeschriebenen, einheitlichen Deutungen sind mir zu oberflächlich und zu weit von mir als Individuum mit eigenen Erfahrungen, Erinnerungen und Emotionen entfernt. Ich habe auch von einigen Therapeuten in der Reha und im Internet gehört, die eine Umdeutung des Traum-Endes vornehmen, um den Traum abzumildern und dann abzuhaken. Das ist auch nichts für mich. Mein Traum ist mein Traum und einfach das Ende umzuschreiben, sobald ich wach bin, damit kann ich nichts anfangen.

Stattdessen habe ich gelernt, die Traumbilder als etwas zweitrangiges anzusehen. Sie sind ein Teil von etwas ganzem, aber nicht das, was wirklich von Wichtigkeit ist, um meine Träume zu verstehen. Wenn ich nach einem Traum aufwache, höre ich in mich hinein. Welche Emotionen waren während des Traums da? Haben sie sich im Traum verändert, weiterentwickelt? Welche Emotion war besonders stark, welche besonders schwach? Hatte ich schon mal einen Traum mit ähnlichen Emotionen? Wie fühlt sich der Traum jetzt gerade an, direkt nach dem Aufwachen oder auch im Laufe des Tages? Was macht diese Emotion mit mir, die ich nachts geträumt habe?

Träume Schäume Traumdeutung Albträume Depression Ängste Hilfe Weg Westruper Heide Hund Winter

Ich schaue also sehr stark auf die Gefühle und Empfindungen, die mir mein Unterbewusstsein im Traum vermittelt hat. Anfangs war das sehr schwierig. Viel zu sehr war ich mit den Traumbildern beschäftigt und konnte die Emotionen gar nicht separat erfassen. Doch mit der Zeit und den fokussierten Nachfragen meines damaligen Therapeuten klappte es immer besser. Zeitweise habe ich dafür ein Traum-Tagebuch geführt, wo ich die Emotionen niederschrieb (und teilweise auch die Bilder festhielt, um nach einem Albtraum wieder einschlafen zu können).

So hatte ich damals zum Beispiel einen Traum, wo meine Mutter vor meinen Augen im Meer von einer riesigen Welle erfasst wurde und ertrank. Dann wechselten der Ort und die Zeit. Meine Schwestern, meine Mutter und ich waren in einem unheimlichen Gebäude mit vielen Räumen, verschiedenen Etagen und unterschiedlichen Lichtverhältnissen. Wir mussten schnellstmöglich aus dem Haus verschwinden und suchten verzweifelt einen Ausweg. Die Traumbilder sind dabei erst einmal sehr plastisch und verwirrend. Doch meine Emotionen waren sehr klar: erst war ich hilflos, verzweifelt als ich meine Mutter sterben sah, ohne eingreifen zu können. In dem Gebäude war ich panisch und voller Ängste. Doch meine Familie hat sich vor mich gestellt und ist voraus gegangen. Sie haben mich beschützt und mit mir gemeinsam einen Ausweg gesucht. Das Gefühl von Beschütztwerden, Gemeinsamkeit und Zusammenhalt hat überwogen.

Erst gestern hatte ich wieder einen sehr krassen Traum. Die Bilder dazu habe ich gar nicht mehr groß präsent. Aber die belastenden Gefühle von Verlassenheit, Minderwertigkeit, Abwertung und Ausgestoßensein, die waren nach dem Aufwachen noch sehr in mir am arbeiten. Es hat wirklich etwa 2 Stunden gedauert, bis ich halbwegs in der Realität angekommen war, so sehr fühlte ich mich von den Emotionen überwältigt. Auch hier weiß ich mittlerweile, was mir mein Unterbewusstsein sagen wollte. Die letzten Monate waren sehr anstrengend: Minas Leishmaniose-Erkrankung, meine penetrante Zahnwurzelentzündung, .... , das Kunsttherapie-Wochenende in dem es um die Arbeit mit dem inneren Kind ging (und das bis heute noch in mir nachwirkt und vieles anstößt, lostritt, aber auch heilen lässt), langsam zurückkehrende Erinnerungen und dann die echt starken Stimmungsschwankungen der letzten Woche,....,... Eigentlich kein Wunder, dass mir mein Körper und mein Unterbewusstsein da irgendwann mal den Vogel zeigen und um etwas Ruhe bitten. Wenn ich nicht richtig hinhöre bzw. entsprechend handel, dann zeigen sich meine Ängste halt nachts.
(Das Wochenende habe ich deshalb bewusst langsam begonnen und so auch fortgeführt. Und für die wahrscheinlich recht trubeligen Weihnachtstage habe ich mir einen Plan zurecht gelegt, um ausreichend Ruhepausen für mich allein zu haben. )

Träume Schäume Traumdeutung Albträume Depression Ängste Hilfe Weg Westruper Heide Hund Winter

Ihr seht, wenn ich ausreichend auf mich, meinen Körper und meine Bedürfnisse achte, brauche ich keine Albträume. Doch wenn ich es irgendwo schleifen lasse (sei es aus alter Gewohnheit oder weil es vermeintlich gerade nicht in den Kram passt), dann schreit mein Unterbewusstsein nachts ordentlich laut um Hilfe. Es ist an mir auf mich zu achten. Mir Zeit für mich zugeben. Mir Zeit zum Verarbeiten und zur Heilung zu geben (Gerade das Kunsttherapie-Wochenende war so sehr intensiv und tiefgehend in meine Psyche hinein, wo ich sonst echt nicht so tief reinkomme!). Und wenn ich es doch mal vergesse, versuche ich seit einiger Zeit bestmöglich auf die Traumemotionen zu hören und im Alltag etwas zu verändern, um mein Gleichgewicht wieder herzustellen. Die Albträume sind damit ein wichtiger Bestandteil meiner Depressionsalarmsignale, die mich für gewöhnlich rechtzeitig vor einem herannahenden Tief warnen.

Ich kann nicht sagen, dass ich dankbar für diese krassen Albträume bin. Aber ich habe gelernt, aus ihnen etwas abzuleiten, das für meine Selbstfürsorge wichtig und unverzichtbar ist. Die Emotionen, die ich nachts verarbeite, habe ich bis dahin tagsüber schön unter den Teppich gekehrt und ihnen nicht den Raum gegeben, den sie gebraucht hätten. Wenn ich also nachts schweißgebadet aufwache, ist es an der Zeit in mich hinein zu hören und zu schauen, was gerade bei mir nicht im richtigen Gleichgewicht ist, wo ich mal genauer hinsehen sollte, was zu kurz kommt oder wo etwas eine zu starke Gewichtung bekommt.

Für mich sind meine Träume ein wichtiger Indikator dafür, wie es mir aktuell geht. Und zwar nicht mit klarem Kopf gedacht, sondern vom Unterbewusstsein her gesprochen.

Genauso, wie ich belastende Albträume habe, habe ich auch wunderschöne Träume mit sehr positiven Gefühlen. Nur bleiben die meist nicht so nachhaltig im Gedächnis, wie das mit schönen Dingen ja meist der Fall ist ;-)

Träume Schäume Traumdeutung Albträume Depression Ängste Hilfe Weg Westruper Heide Hund Winter


Wie ist das bei euch? Habt ihr auch intensive Träume? Wie geht ihr mit ihnen um? Was hilft euch, wenn ihr aus einem Albtraum aufwacht?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich freu mich über jedes liebe Wort von euch :-)