Sonntag, 21. Mai 2017

Wenn der Kopf zu übervoll ist - dann helfen nur noch Wald und Wasser

Die letzte Woche war so gar nicht meine. Rückenschmerzen, so stark als wären sie direkt vom Teufel persönlich heraufbeschworen worden, plagten mich. Die Laune war dauerhaft im Keller. Die Gedanken rasten. Das Herz machte Sprünge, aber nicht vor Freude, sondern vor innerem Stress. Die Enge im Hals und im Brustraum nahm zu. Der innere Druck und die Anspannung wuchsen. Wenn ich in den Spiegel blickte, sah ich eine apathisch werdende Frauke. Meine Verletzlichkeit nahm zu: ein kleines Wort, ein schiefer Blick und ich brach in Tränen aus. Tägliches Yoga brachte nur kurzzeitige Besserung. Tiefes Atmen war wegen dem Rücken und der Enge in der Brust nicht mehr drin. Nach Feierabend fiel ich erschöpft auf die Couch und konnte nur noch mit Mina kuscheln bevor mir die Augen zu fielen.

Zum Glück ist dies kein Dauerzustand mehr bei mir und eigentlich weiß ich, dass dies nach ein paar Tagen wieder vorbei ist. Doch es fühlte sich so vertraut, so nah, so mächtig an. Die Angst vor einem herannahenden Tief wuchs stetig und umso heftiger versuchte ich mich dagegen zu wehren. Aber anstatt innezuhalten, hinzuschauen und zu akzeptieren, dass es jetzt erst mal so ist und ich dann schauen könnte, wie ich mit der Situation umgehe, verkrampfte ich immer mehr.

Nachdem ich Freitag direkt nach der Arbeit mit Buch und Decke aufs Sofa gegangen war und dort ziemlich schnell und tief einschlief, kam gestern die Wendung. Denn wenn nichts mehr geht, helfen bei mir die Natur und eine lange Wanderung. Ich stand früh auf, frühstückte und schmierte mir dabei 2 Brötchen, die ich zum Glück noch eingefroren hatte. Weil ich solche Kopf-frei-Wanderungen am liebsten ohne Handy mache, suchte ich mir in einem Wanderführer übers Ruhrgebiet einen Rundweg mit viel Wald und Wasser raus.

Wanderung Rundweg Bochum Ruhrgebiet Kopf frei bekommen Schritt für Schritt Wald Natur Depression Reizarm Entschleunigung Achtsamkeit Auszeit Haus Weitmar

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So ging es los nach Bochum. Start war am Haus Weitmar. Leider ist der Wanderführer sehr ungenau und ich habe mich zwei mal verlaufen; nicht weit, aber aufgrund eines Bauchgefühls warf ich beide Male einen Blick auf die App Komoot im Handy und kehrte rechtzeitig um, während ich sonst anhand der Beschreibung im Buch weitergegangen wäre (deshalb verlinke ich den Wanderführer jetzt auch nicht hier, weil ich ihn zwar schon sehr lange besitze, aber die vorgeschlagenen Routen nur als grobe Richtungsangaben nehme und sicherheitshalber Komoot anhabe um mich im Notfalle orientieren zu können / das Handy bleibt aber eigentlich hinten im Rucksack).

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Wanderung Rundweg Bochum Ruhrgebiet Kopf frei bekommen Schritt für Schritt Wald Natur Depression Reizarm Entschleunigung Achtsamkeit Auszeit Sternwarte
Sternwarte

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Die erste Zeit war ich sehr in mir drin. Ich grübelte, atmete zu schnell und nahm nichts wahr. Doch ich akzeptierte es als Teil des Prozesses. Zügigen Schrittes machte ich Kilometer um Kilometer und ließ die Natur auf mich wirken. Die Kamera nahm ich hin und wieder raus um die Umgebung einzufangen, die ich in dem Moment nur schemenhaft aufnehmen konnte. Mina gab sich große Mühe bestens gelaunt neben mir her zu springen. Doch es dauerte. Sehr lange. So ging es durch den Wald bis hinunter zur Ruhr. Dort wurde es langsam etwas freier in mir drin. Nach dem dauerhaften Blätterrauschen vom Anfang kam nun das kontinuierliche Wasserfließen der Ruhr (und einige Radfahrgeräusche vom Ruhrtalradweg). Die reizarme Natur beruhigte mein Inneres. Die Selbstvorwürfe und der Selbsthass, die mich die letzten Tage langsam anfingen mürbe zu machen, wurden leiser. Allmählich spürte ich wieder etwas: mich und die Welt. Ich roch endlich wieder meine Umgebung, was mir die letzten Tage verwehrt gewesen war.

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Nach ungefähr 12 Kilometern stießen wir auf ein kleines blondes Mädchen auf dem Rad mit ihrer Oma auf einem Tretroller. Die unbefangene Art des Mädchens faszinierte mich. Sie sprach mich sehr freundlich an und fragte, wie mein Hund heißt und ob sie Mina mal streicheln dürfte. Für die nächsten 2 Kilometer begleiteten uns die beiden, weil das Mädchen nun sehr in Mina verliebt war (so ihre Worte). Dann drehten die beiden um und fuhren wieder zurück.

Wanderung Rundweg Bochum Ruhrgebiet Kopf frei bekommen Schritt für Schritt Wald Natur Depression Reizarm Entschleunigung Achtsamkeit Auszeit Ruhr

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Als ich nach 19 Kilometern wieder am Auto ankam, pochte mein Herz in einem durchschnittlichen Rhythmus und mein Atem hatte eine normale Frequenz. Die Anspannung in mir drin war zwar noch nicht komplett weg, aber so gut wie. Meine Gedanken waren wieder klarer und floßen gleichmäßig in eine Richtung.

Wanderung Rundweg Bochum Ruhrgebiet Kopf frei bekommen Schritt für Schritt Wald Natur Depression Reizarm Entschleunigung Achtsamkeit Auszeit

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Der restliche Abend gehörte weiterhin ganz mir (und Mina). Meine innere Balance kehrte zurück. Die Verletzlichkeit wich einer wiederkehrenden Stärke.

Die für Außenstehende so schwer nachvollziehbare Anspannung und der Druck, die sich in mir aufgebaut hatten, lassen sich schwierig in Worte fassen. Aber während ich die letzten Tage nicht wusste wohin mit mir, mich verloren und im Stich gelassen fühlte und ich am liebsten mit einem Knall einfach explodiert wäre, spürte ich gestern Abend eine schöne Gelassenheit und ein Vertrauen. In mich, in die Welt, in die Zukunft.

Manchmal brauche ich deshalb immer noch Auszeiten nur für mich allein. Und am besten in der Natur: mit Wald und/oder Wasser dabei. Diese Regenerationszeiten ohne einen anderen Menschen in meiner Nähe sind nicht mehr so oft notwendig, wie sie es mal waren. Aber nach einer blöden Woche helfen sie innerhalb einiger Kilometer Fußmarsch!

Und wenn ihr neugierig seid, wo ich so ganz grob hergelaufen bin: ich habe den Rundweg im Internet nirgends als fertige Route gefunden und deshalb mal eine seeehr grobe Skizze gemacht:





[Ich bin sehr dankbar, dass ich irgendwann diese Form der Selbst"heilung" gefunden habe. Eine Wanderung bzw. die ungestörte Natur helfen bei mir so herrlich gegen einen Gesellschaftskater, gegen Reizüberflutung, gegen schlechte Laune und so wie gestern gegen einen viel zu übervollen Kopf und ein sich sachte von hinten anschleichendes Tief. Auch wenn es einige Kilometer dauert, so merke ich allerspätestens abends eine merkliche Besserung und eine freieres Gefühl in mir drin. Und ich bin sehr dankbar, dass ich einen wundervollen Menschen an meiner Seite habe, der mich notfalls an die Waldauszeiten erinnert!]


Dienstag, 9. Mai 2017

Von Zvieri, Müntschi, Glace und uf Widerluege - ein Besuch bei Chantal in der Schweiz

Nachdem Chantal im letzten Herbst auf ihrer längeren Reise hier in Dortmund einen mehrtägigen Zwischenstop eingelegt hatte und wir einige wunderbare Tage zusammen verbringen konnten, stand ziemlich schnell fest: ich besuche sie bald mal in ihrer Heimat, der Schweiz!

Und nun war es so weit :-) Letzte Woche Mittwoch bin ich nach Feierabend Richtung Schweiz losgefahren! Doch weil das schon eine etwas längere Strecke ist und ich gern entspannt bei Chantal ankommen wollte, plante ich eine Zwischenübernachtung ein. Die Campingsachen wurden also eingepackt und nachdem eine einstündige Vollsperrung meine eigentlich ungefähr geplanten zurückgelegten Kilometer extrem reduziert hatte, schaute ich bereits ab Frankfurt nach einem nahegelegenen, hübschen Campingplatz. Dieser war ziemlich fix gefunden und Petrus hatte auch sein Einsehen: das extrem wechselhafte Wetter stabilisierte sich für den Abend. So konnte ich die Ruhe und Abgeschiedenheit des Platzes ausgiebigst nutzen.

Camping Urlaub mit Hund Bensheim Ausblick Natur Stille Abgeschiedenheit Zelt Erholung

Die Hunderunde sah dementsprechend grün, hügelig und weinrebenlastig aus!

Camping Urlaub mit Hund Bensheim Ausblick Natur Stille Abgeschiedenheit Zelt Erholung

Dummerweise gab es einen anderen Hundebesitzer auf dem Platz, der von Leine und solchen Nebensächlichkeiten nicht so viel hielt. Sein großer, zugegebenermaßen lieber Hund sprang also irgendwann stürmisch auf Mina zu, die sich panisch in das noch offene Auto flüchtete. Das hielt den übermütigen Hund jedoch nicht ab. Als ich mich dann dazwischen stellte und ihm den Eintritt verwehrte, drehte er sich um, ging zu meinem Zelt und PINKELTE es an. Mein Ausschimpfen nahm er nicht sonderlich ernst, drehte eine Runde ums Zelt, ging erneut an die selbe Stelle und PINKELTE erneut. Der Besitzer schlenderte herbei, lachte ziemlich unverholen und meinte trocken, dass es immerhin nicht von innen war. Als der Hund währenddessen wieder Mina im Auto bedrängte, stellte ich mich erneut dazwischen. Daraufhin durfte ich mir natürlich Erziehungsweisheiten anhören: Hunde klären das unter sich, sein Hund tut nix, meiner hat keine Angst, die spielen nur.... Nee, klar.

Am nächsten Morgen ging es nach einer dampfenden Tasse frischen Kaffees und leckerem Frühstück unter freiem Himmel gemächlich weiter. Während ich sonst Probleme habe, die Zeit zu vertrödeln, gelang es mir hier ziemlich prächtig! Die Mittagspause wurde auf einem Rastplatz in einer Regenpause ziemlich ausgedehnt und auch eine separate Kaffeepause durfte nicht fehlen. Kurz vor der Grenze zur Schweiz wurde ich dann aber doch etwas nervös. Ich war in meinem Leben noch nicht häufig im Ausland und habe erst recht noch nie eine Vignette gekauft. Solche mir neuen Begebenheiten stressen mich ziemlich, doch sowohl der Vignettenkauf kurz vor der Grenze, als auch der Grenzübertritt selbst verliefen völlig problemlos!

Nun hatte ich bis zum Feierabend von Chantal noch etwas Zeit, doch das Wetter wechselte minütlich zwischen Starkregen und Trockenheit. In Basel fuhr ich auf gut Glück einfach mal Richtung Innenstadt. Doch das übermäßige Nass hielt mich von einem Stop ab. Deshalb suchte ich mir einen Supermarkt und ging erst einmal ein wenig in den für mich so fremden Lebensmitteln stöbern :-) Auch wenn in der Schweiz viele Wörter auf Deutsch verständlich sind, gibt es doch einige, die mir völlig fremd waren. Während mich Grenzübertritte stressen, finde ich so neue Supermärkte saumäßig spannend! Leider stellte ich ziemlich schnell fest, dass die Schweiz ihrem Ruf nach einem teuren Land mehr als gerecht wird: die paar eingekauften Lebensmittel waren dementsprechend viele Franken wert...

Als ich weiterfuhr, hielt ich immer mal wieder Ausschau nach einem möglicherweise interessanten Ort. In Oensingen wurde ich fündig. Oben auf dem Roggen hatte ich bei 841 m üNN eine tolle Aussicht :-)

Schweiz Oensingen Urlaub mit Hund Roggen Aussicht Berg Fernblick

Ein Stück den Berg wieder runter hielt ich dann noch bei dem Schloss Neu-Bechburg: 

Schweiz Oensingen Urlaub mit Hund Roggen Aussicht Berg Fernblick  Schloss Neu-Bechburg

Pünktlich zum Feierabend war ich dann bei Chantal im Kanton Bern angekommen. Mina freute sich riesigst über ein Wiedersehen mit Chantal und auch unserer beide Freude fiel nicht viel schwächer aus :-) Erst einmal blieb es aber spannend: würden sich ihre zwei Katzen mit Mina verstehen? Nach einem anfänglich zögerlichen Beschnuppern klappte das aber erstaunlich gut. (Plan B wäre gewesen, ich suche mir einen Campingplatz in der Nähe. Doch so konnten Mina und ich in Chantals Wohnung übernachten.)

Urlaub Schweiz mit Hund Bloggerfreunde Kanton Bern Katze Lesesessel

Nach einem gemütlichen Abend machten wir uns am nächsten Morgen auf nach Bern. Nun bin ich als Städterin mit geringen geografischen Kenntnissen davon ausgegangen, dass wir in die Hauptstadt fahren und halt in einer Stadt sind. Gut, wir hatten geplant auf den Hausberg, den Gurten, zu gehen und damit ahnte ich, dass es dort wohl auch einen Berg geben würde. Aber als wir kurz vor der Stadt um eine Kurve fuhren, war mein erstaunter und freudiger Ausruf: "Da sind ja Berge! Mit Schnee!" durchaus sehr ernst gemeint. Mitten in der Schweiz rechne ich doch nicht mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund. (Ja, ernsthaft nicht.) :-)

Oben auf dem Hausberg der Stadt Bern hatten wir dank strahlend blauem Himmel eine super Aussicht:

Schweiz Bern Urlaub mit Hund Gurten Aussicht Fernblick

Oben auf dem Berg gibt es eine schöne Grünanlage mit Gastronomie, sportlichen Aktivitätsmöglichkeiten und Kunst. Dieser Weltenbaum Yggdrasil stach mir dabei als erstes ins Auge:

Schweiz Bern Urlaub mit Hund Gurten Weltenbaum Yggdrasil

Schweiz Bern Urlaub mit Hund Gurten Gurtenpark Alpen Fernblick

Schweiz Bern Urlaub mit Hund Gurten Gurtenpark Alpen Fernblick

Schweiz Bern Urlaub mit Hund Gurten Gurtenpark Alpen Fernblick

Auf dem Kinderspielplatz gab es u. a. dieser riesige Kugelbahn, die mit insgesamt 300 m Bahnlänge unsere Faszination sicher hatte:

Schweiz Bern Urlaub mit Hund Gurten Gurtenpark Spielpark Migros Kugelbahn

Schweiz Bern Urlaub mit Hund Gurten Gurtenpark Spielpark Migros Kugelbahn

Während wir für den Aufstieg zum Gurten die Gurtenbahn genutzt hatten, spazierten wir runter zu Fuß. Das ging ganz schön in die Waden... Unten angekommen schauten wir uns Bern an, aßen ein leckeres Mittagessen in der Pittaria, schlenderten bis zur Altstadt und genoßen einfach den strahlend sonnigen Tag. Bei allen schweizerischen Worten dolmetschte Chantal sehr fleißig und verfiel so das ein oder andere Mal auch selbst ins Hochdeutsche, als sie mit Verkäufern oder Kellnern sprach ;-) Auch wenn ich mir so einiges ableiten konnte, kam ich doch einmal aus einem Geschäft heraus und schaute sie fragend an, weil die Verkäuferin zum Abschied etwas gesagt hatte, was ich nicht verstand. Rein von der Situation her hätte ich es als "Auf Wiedersehen" gedeutet. Einen Laden weiter wusste sie dann, was ich meinte: "Uf Widerluege". So kam es übrigens auch zu unserem Hashtag auf Instagram ;-)

Schweiz Bern Urlaub mit Hund City Innenstadt Sightseeing

Schweiz Bern Urlaub mit Hund City Innenstadt Sightseeing

Schweiz Bern Urlaub mit Hund City Innenstadt Sightseeing

Schweiz Bern Urlaub mit Hund City Innenstadt Sightseeing
die astronomische Uhr von Bern

Schweiz Bern Urlaub mit Hund City Innenstadt Sightseeing

Schweiz Bern Urlaub mit Hund City Innenstadt Sightseeing

Schweiz Bern Urlaub mit Hund City Innenstadt Sightseeing

Schweiz Bern Urlaub mit Hund City Innenstadt Sightseeing
Seht ihr, dass die mittleren Fenster nur aufgemalt sind?

Schweiz Bern Urlaub mit Hund City Innenstadt Sightseeing
die Aare

Schweiz Bern Urlaub mit Hund City Innenstadt Sightseeing

Schweiz Bern Urlaub mit Hund City Innenstadt Sightseeing

Leider war es am nächsten Tag mit dem schönen Wetter schon wieder vorbei (...wie mir hinterher gesagt wurde, war es hier im Ruhrgebiet ab diesem Tag wohl richtig schön und sonnig...). Begleitet von immer wieder kurzen Regenschauern machten wir uns mit dem Zug auf den Weg nach Biel. Dort schlenderten wir durch die schönen Gassen und kauften auf dem Wochenmarkt für das als Abendessen geplante Raclette ein. So ein Schweizer Wochenmarkt war für mich eine sehr schöne Sache: teilweise ganz andere Gemüsesorten, viele andere Bezeichnungen als ich sie kannte und total nette Menschen, die sich auch an meinen Nachfragen oder fragenden Blicken bei dem Schweizerischen nicht störten. Die Zweisprachigkeit der Stadt waren für mich sehr ungewohnt und das Schweizerische brachte mich immer wieder zum Schmunzeln :-)

Schweiz Urlaub mit Hund Biel Kanton Bern Straßenschild

Schweiz Urlaub mit Hund Biel Kanton Bern Straßenschild

Schweiz Urlaub mit Hund Biel Kanton Bern Sehenswürdigkeit Tourist Gasse

Schweiz Urlaub mit Hund Biel Kanton Bern Sehenswürdigkeit Tourist bepflanzte Fenster

In einem süßen Café mit angeschlossenem Laden ließen wir es uns bei einem Kaffee plus Amaretti (mit Orangengeschmack) gut gehen.

Schweiz Urlaub mit Hund Biel Kanton Bern Sehenswürdigkeit Tourist Cafe Kaffee Amaretti Edus Coffee

Als wir nach dem Kaffee die Toilette suchten, drückte man uns einen Schlüssel in die Hand und schickte uns mit den Worten "Folgt der roten Schnur!" (also natürlich auf Schweizerisch) durch eine Tür hinaus in den Hausflur :-)

Schweiz Urlaub mit Hund Biel Kanton Bern Sehenswürdigkeit Tourist Cafe Edus Coffee

Biel gefiel mir noch besser, als mir Bern schon gefallen hatte. Die Gassen waren schön gemütlich, es war nicht so touristisch überlaufen, die Lädchen waren einladend und die Cafés zahlreich. Selbst der immer wieder einsetzende Regen konnte unsere entspannte Stimmung nicht dämpfen.

Als am frühen Nachmittag der Dauerregen einsetzte, setzten wir uns in den Zug und fuhren zurück zu Chantals Wohnung. Die Tiere beschäftigten sich mit fleißigem Chillen, während wir uns in Richtung Lyss zur längsten Glacekarte (= Eiskarte) der WELT aufmachten. Für mich gab es Popcorneis mit frischem Popcorn! :-)



Und während es sich draußen immer mehr einregnete, machten wir es uns drinnen gemütlich. Ich vertiefte mich in die Kinderbücher vom Muggestutz, die in der Schweiz jedes Kind kennt. Sie sind so beliebt, dass es sogar eine eigens gestaltete Welt dazu gibt, wo Kinder hinkönnen, um die Orte "in Echt" zu entdecken. Dorthin haben wir es leider nicht mehr geschafft, aber die Bücher waren sehr fesselnd!

Schweiz Urlaub Tourist Muggestutz Kinderbücher

Abends setzten wir uns dann zum Raclette hin. Während des Einkaufens auf dem Wochenmarkt war uns schon klar geworden, dass es entscheidende Unterschiede in der Zubereitung gibt. Während ich es so kenne, dass man Gemüse (oder wahlweise Fleisch/Fisch/...) in die Pfännchen schichtet, dann den Käse draufpackt um es dann so unters Raclette zu schieben, ist Chantal mit einer anderen Version aufgewachsen. Und zwar kommt der Raclettekäse ins Pfännchen und dann unters Raclette. Im Topf werden die gekochten Kartoffeln warm gehalten und dann kurz bevor der Käse zerlaufen ist, auf dem Teller klein geschnitten. Dazu gibt es eingelegte Gurken, Silberzwiebeln... Der Käse wird dann über diese drapierten Dinge auf dem Teller verteilt. Wir haben jeweils einmal die andere Zubereitungsart probiert und uns dann aber doch wieder für die jeweils altbekannte entschieden. ;-)

Schweiz Urlaub Tourist Raclette Abendessen

Am nächsten Morgen machten wir nach dem Frühstück noch einen Spaziergang in einer Regenpause bevor ich mich auch schon wieder schweren Herzens auf den Heimweg machte. Eigentlich wollte ich, genauso wie auf dem Hinweg, eine Übernachtung auf einem Campingplatz einschieben. Aber der Dauerregen und die doch relativ freien Straßen hielten mich davon ab. So kam ich ziemlich ko abends wieder daheim an.

Und wenn ihr euch seid der Überschrift schon gefragt habt, was "Zvieri" ist: das ist eine Zwischenmahlzeit um 4 (also 16) Uhr :-) Es gibt auch noch "Znüni": die Zwischenmahlzeit um 9 Uhr. "Müntschi" stand auf einer Berner Bierflasche und heißt "Kuss". Chantal und mir fielen noch etliche Worte auf, die ich nicht verstand. Einige davon mussten wir online nachschlagen, um sie für mich zu übersetzen. Das Schweizerische ist echt schön und klingt in meinen Ohren sehr freundlich.

Ihr seht: das Internet ist nicht so anonym, wie häufig behauptet wird. Ohne dies hätten Chantal und ich uns nämlich nie kennengelernt und so auch nie gegenseitig besucht, nie die jeweils andere Sprache erforscht und uns die jeweilige Heimatumgebung angesehen. :-)


Vielen Dank für die schönen Tage bei dir in der Schweiz, liebe Chantal!

Dienstag, 25. April 2017

Mein derzeitiger Alltag mit meiner Depression

Mein tägliches Leben unterscheidet sich mittlerweile nicht mehr viel von dem Alltag von Menschen ohne Depression. Diese Fast-Normalität gefällt mir sehr gut! An ganz, ganz vielen Tagen bin ich einfach ich. Dann hüpfe ich lachend umher, reiße flache Witze und erfreue mich des Lebens. Doch in einigen Dinge merke ich die Depression nach wie vor sehr deutlich. Ich lerne immer noch sehr viel über mich, mein Verhalten, meine Emotionen und schaue genau hin, was evtl. nicht gut für mich ist, wo ich mich vielleicht doof bei fühle und wie ich mein Verhalten wo anpassen kann, damit es mir mit der jeweiligen Situation gut geht.

Depression Alltag psychische Erkrankung Betroffene Vogel Stromleitung Tief Hoch

Mein letztes richtiges, offizielles Tief war Mitte letzten Jahres. (Die Auslöser konnte ich im Nachhinein mithilfe meiner ehemaligen Therapeutin in einem "Notfall"-Termin ausmachen und mir für die Zukunft andere Strategien für die betreffenden Situationen zurecht legen.) Seitdem bin ich ziemlich stabil. Es gibt zwar immer wieder Tage, wo ich die Depression an meine Tür klopfen höre, aber nun kann ich sehr gut und laut sagen: "Ich kaufe nix. Bitte gehen Sie!" Das sind dann aber auch die Tage, wo plötzlich ein grauer Schleier über allem hängt und wo ich so verletztlich bin, als wenn ich einfach keine Haut hätte. Dann trifft mich jedes leicht negativ angehauchte Wort wie ein Hieb mit der Axt mitten in den Bauch. So ungefähr alles nehme ich mir zu Herzen und sehr vieles nehme ich persönlich. Binnen kürzester Zeit werde ich pampig, vielleicht auch unfair und meist fließen schnell die ersten Tränen, weil ich mich so hilfslos fühle. Dann weiß ich, dass a) eine Erkältung/etc. droht, b) ich mir die letzten Tage zu viel zugemutet habe und mir mal zügig eine Ruhepause gönnen sollte oder c) die Stimmung von meinem Gegenüber (mal wieder) auf mich abgefärbt hat und ich nun die schlechte Laune habe, die eigentlich jemand anderem gehört. Die Abgrenzung gegenüber den Emotionen anderer Menschen klappt zwar schon wesentlich besser, aber gerade bei sehr nahestehenden Menschen fällt es mir nach wie vor extrem schwer. Doch wisst ihr was? Eine wichtige Sache habe ich auch noch gelernt: eine Umarmung hilft Wunder. Sie rettet zwar nicht die Welt, aber mich ein kleines Stück. Denn sie zeigt mir, dass dort jemand ist, der mich mag. Der mir Nähe und Wärme schenkt. Egal, wie miesepetrig, gefühlskalt oder verletzlich ich gerade bin.

Ich hinterfrage nach wie vor sehr viel, sowohl bei mir selbst, als auch bei anderen Menschen: Verhalten, Gefühle, Erinnerungen. Umso bewusster ich in mich hinein höre, umso mehr nehme ich wahr. Aber umso mehr rühre ich auch an alten, tiefen Erinnerungen und Gefühlen, die durchaus nicht alle was nettes von mir wollen. Doch das in mich hinein fühlen ist wichtig, um die auslösenden Situationen für ein mögliches Tief frühzeitig zu erkennen, zu sehen was sie in mir bewirken und wie ich mich automatisch darauf verhalte. Denn nur dann kann ich mein krankheitsauslösendes Verhalten ändern und durch positivere Muster ersetzen.

Das bedeutet aber auch z. B. beim Thema "Wut", was noch ein sehr neues für mich ist, dass ich hier manchmal ein klein wenig übers Ziel hinausschieße. Meine frühere Therapeutin wunderte sich schon immer, dass ich in bestimmten Momenten so gefühlsneutrale scheine, wo sie eigentlich eine massive Wut vermutet hätte. Das passiert halt, wenn man die Wut für sehr lange Zeit aus seinem Leben verbannt, weil man früh genug gelernt hat, dass man eh hilf- und machtlos ist und die Wut nix bringt. Nun lerne ich aber ja immer fleißig dazu und baue die Wut in mein Leben ein. Doch wie es bei vielen neuen oder ungewohnten Dingen so ist: ich kann die Wut nicht immer richtig dosieren. Manchal bin ich zu wenig wütend und manchmal zu viel und manchmal passt es auch. Das ist halt ein Lernprozess...

Mittlerweile erkenne ich auch viel früher, wenn mich Situationen oder Menschen zu sehr reizüberfluten und kann dann genügend Ruhephasen danach einplanen. Der "Gesellschaftskater" stellt sich bei lauten Umgebungen mit vielen Menschen nämlich am nächsten Tag auf jeden Fall bei mir ein: selbst komplett ohne Alkohol fühlt mein Körper sich an, als wenn er einen mächtigen Rausch auskurieren müsste. Ich bin erschlagen, matschig, mir ist übel, alles ist zu hell und zu laut und ich bin ziemlich gereizt und angreifbar bis hin zu tränennah. Dank meiner intensiven Beobachtungen von mir selbst in den letzten Monate kann ich die Situationen entweder bereits vorher erkennen (wenn ich z. B. weiß, dass auf dem Geburtstag, wo ich gleich hingehen werde, mehr als 10 Personen sind, es laut und spät wird) oder ich nehme im Laufe des Geschehens die vielen Reize als solche wahr und werde mir der möglichen Reizüberflutung bewusst. Jeweils weiß ich dann, dass ich mir am nächsten Tag genügend Ruhe einplanen sollte. Sprich: keine Verabredungen (außer Mina und meistens meinen Freund ertrage ich dann eigentlich niemanden), keine Menschen, möglichst lange Spaziergänge im Wald mit wenig äußeren Reizen und nur begleitet von Naturgeräuschen und komplett ohne sportlichen Ehrgeiz. Auch wenn sich das für jemand Nicht-Betroffenen erst einmal sehr einschränkend anhören mag, sind das für mich große Fortschritte! Zum einen kann ich zu solchen Events überhaupt wieder hingehen, was mir ja lange Zeit überhaupt nicht möglich gewesen wäre. Zum anderen kann ich soweit Selbstfürsorge betreiben, dass es mir relativ schnell wieder "normal" geht. Das ist übrigens auch ein Grund, warum ich mich nur ein bis maximal zwei mal die Woche mit jemandem verabrede. Dann habe ich nämlich genügend freie Feierabende, wo ich spontan nach Lust und Laune schauen kann, wonach mir gerade ist. Was für viele so selbstverständlich klingt, ist für mich halt immer noch ein Lernprozess.

Einen wesentlichen Einfluss auf meine Depression hat auch meine Ernährung. Generell esse ich so gut wie kein Fleisch, dafür möglichst viel Gemüse, Balaststoffe, Vollkornprodukte und Kohlenhydrate. Industriell verarbeitete Lebensmittel versuche ich möglichst zu vermeiden. Omega3 ist ein wichtiger Baustein zur Vorbeugung von depressiven Tiefs, der u. a. viel in Leinöl, Leinsamen, Hanfsamen, Fisch (vor allem Lachs und Makrele) und natürlich in Fischöl-Kapseln enthalten ist. Ich brauche sehr regelmäßiges Essen und zwar mindestens 5 x am Tag. Wenn ich das nicht beachte, unterzuckere ich ziemlich zügig, mir wird schwindelig, ich fange an zu zittern, sehe alles nur noch im Tunnelblick, hinzu kommen Atemnot, Übelkeit und Panik. Deshalb habe ich immer einen Notfall-Müsliriegel in der Tasche, damit es erst gar nicht so weit kommt und ich rechtzeitig auch unterwegs schnell was essen kann. Ich versuche mich außerdem möglichst basisch zu ernähren. Das soll entzündungsfördernde Stoffe im Körper reduzieren und so die Depression auf natürliche Weise klein halten. Wie in dieser Aufzählung beschrieben, kann man mithilfe bestimmter Lebensmittel seine Stimmung positiv beeinflussen. Und so sieht mein Wocheneinkauf aus, als wenn ich für eine mehrköpfige Familie Obst und Gemüse einkaufen würde. Ich nehme sehr viele Zitronen zu mir (sei es in Spalten geschnitten im Wasser oder ausgepresst übers Essen), trinke pro Woche mindestens einen Liter Gemüsesaft und erscheine in den Augen einiger Menschen ein wenig ökohaft, wenn man mit mir über Ernährung spricht. So Wörter wie "Hanfsamen", "Weizengraspulver" und "Flohsamenschalen" gehen mir ziemlich lässig über die Lippen, weil sie so sehr in meiner Ernährung verankert sind. Ganz aktuell habe ich mein altes Keimglas wieder aus dem Schrank geholt und keime alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. (Eine super Anleitung findet ihr übrigens z. B. hier.) Das Keimen soll den enthaltenen Nährstoffanteil extrem hochtreiben und super gesund sein. Mal ehrlich, wenn ich durch meine Ernährung meine Depression ein großes Stück weit bekämpfen kann: hallo? Da bin ich natürlich bei :-) So ist es nun mal wirklich gesünder, als irgendwann wieder Antidepressiva zu nehmen. (Was hierdurch natürlich immer noch nicht ausgeschlossen ist, aber die Chancen werden gemindert.) (Und: ich bin da sehr prakmatisch: Pommes-Currywurst ist für mich natürlich ein sehr selbstverständliches Nahrungsmittel, genauso wie eine gemischte Tüte vom Kiosk.)

Sport plane ich regelmäßig in meinen Tagesablauf mit ein. Das klappt dann in der Umsetzung mal mehr, mal weniger gut, weil ich mich dadurch nicht stressen möchte um auf Biegen und Brechen wirklich drei bis vier Mal die Woche Sport zu machen. Ich wechsel immer zwischen Workouts und Yoga anhand von youtube-Videos, joggen, mountainbiken und wandern. Die Bewegung tut mir sehr gut. Gerade das ins Schwitzen kommen und die regelmäßige, tiefe Atmung bringen meinen Stresspegel zum Sinken. Meine Faszienrolle kommt bei mir ständig zum Einsatz und lockert alle verspannten Muskelgruppen. Gerade auch das Abrollen der seitlichen Oberschenkel entspannt so viel, dass mein Bauch dann immer anfängt zu gluckern. Nach dem Sport gibts einen ordentlich gesunden Smoothie mit allen möglichen Zutaten. Wenn ich dann nach dem Duschen mit Mina auf dem Sofa sitze, spüre ich mich selbst sehr deutlich. Über kurz oder lang kann ich so einigen Phasen von Dissoziationen entgegenwirken, weil ich auf diesem Weg jeden Winkel meines Körpers sehr gut zu spüren bekomme.

Depression Alltag psychische Erkrankung Betroffene Blüte Tief Hoch


Die Einschränkungen durch meine Depression sind derzeit für mich gut überschaubar. Zumal ich gelernt habe, dass die Depression schön ruhig ist, wenn ich genügend auf mich selbst achte, ausreichend Pausen einplane, gesund esse und mich so akzeptiere, wie ich bin. So gesehen meint sie es eigentlich ganz schön gut mit mir. Erst wenn ich mich mal wieder selbst vergesse und über meine Bedürfnisse hinwegschaue, kommt sie zurück und erinnert mich dann notfalls mit der Hammermethode daran, dass ich auf mich achtgeben soll. Seit meiner letzten Zusammenfassung des Alltages mit meiner Depression sind 15 Monate vergangen. Seitdem hat sich einiges verändert und das mit der deutlichen Tendenz zum Positiven hin :-)